Xiaomi rückt den Start seiner ersten Mehrsitzer-Modelle näher. Konzernchef Lei Jun kündigte ein Technologie-Event für den 30. Juli an, bei dem die beiden SUV-Modelle SkyNomad N90 Max und N70 Max vorgestellt werden. Es ist der erste Schritt des Unternehmens über die Limousine SU7 hinaus in Richtung Mehrpersonen-Fahrzeugsegmente.

Technik und Reichweite im Fokus

Der N90 Max basiert auf der sogenannten Kunlun-Plattform und nutzt einen Range-Extender-Antrieb: Ein 1,5-Liter-Turbomotor mit 112 Kilowatt Leistung von Harbin Dongan arbeitet als Generator und speist eine 76-Kilowattstunden-Batterie. Damit erreicht das Fahrzeug laut den Marktunterlagen eine Gesamtreichweite von über 1.000 Kilometern, während die rein elektrische Reichweite je nach Messverfahren zwischen 370 und 505 Kilometern liegt. Der kleinere N70 fällt mit gut 4.960 Millimetern Länge kompakter aus und ist als reiner Fünfsitzer mit Allradantrieb konzipiert.

Beide Modelle sollen laut den vorliegenden Produktinformationen ein ungewöhnliches Innenraumkonzept bieten: verschiebbare und um bis zu 360 Grad drehbare Vordersitze, eine begehbare Mittelkonsole sowie ein ausklappbares Dachzelt samt integrierter Stromstation des Partners EcoFlow. Xiaomi positioniert die Fahrzeuge damit explizit als mobile Wohnraumlösung und nicht nur als klassisches Familien-SUV. Vor der Markteinführung durchliefen die Modelle nach Unternehmensangaben eine Testphase von 626 Tagen mit 566 Fahrzeugen und mehr als 4,28 Millionen gefahrenen Testkilometern.

Für das laufende Jahr strebt Xiaomi eine Auslieferung von 550.000 Fahrzeugen an. In der ersten Jahreshälfte 2026 wurden bereits 185.055 Einheiten ausgeliefert – die neuen SUV-Modelle sollen diesen Wachstumspfad ab dem zweiten Halbjahr zusätzlich stützen.

Kurserholung nach schwachem Jahresstart

Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der Xiaomi-Aktien zuletzt von neuen KI-Modellen und der Aussicht auf ein Facelift des Elektroautos SU7 profitierten. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 3,00 Euro, nachdem das Papier binnen 30 Handelstagen um 22,23 Prozent zulegte. Die kurzfristige Erholung ändert jedoch wenig am Gesamtbild des Jahres: Zum 52-Wochen-Hoch von 6,51 Euro, das im September 2025 markiert wurde, beträgt der Abstand weiterhin 53,96 Prozent. Auf Jahressicht steht die Aktie noch immer deutlich im Minus.

Die bevorstehende SUV-Premiere dürfte für Anleger ein wichtiger Prüfstein sein, ob sich das Unternehmen über das Kerngeschäft mit Smartphones hinaus als ernsthafter Anbieter im Elektrofahrzeugmarkt etablieren kann. Nach dem erfolgreichen Start der Limousine SU7 gilt der Vorstoß in das SUV-Segment als nächster Wachstumstreiber für die Auto-Sparte.

Steigende Chip-Preise als Belastungsfaktor

Gegenwind droht dem Konzern hingegen im angestammten Smartphone-Geschäft. Ab dem 1. September will Qualcomm seine Chip-Preise im zweistelligen Prozentbereich anheben – als Reaktion auf Engpässe in der Halbleiter-Lieferkette, gestiegene Beschaffungskosten und die hohe Nachfrage durch KI-Anwendungen. Betroffen sind neben Samsung und Meta auch Xiaomi, wobei besonders günstige Smartphones bis 350 Euro unter Druck geraten dürften: Der Speicheranteil an den Produktionskosten dieser Geräte soll auf bis zu 60 Prozent steigen. Das Analysehaus Omdia rechnet in diesem Preissegment mit einem Umsatzrückgang von 22 Prozent.

Für Xiaomi bedeutet das einen Spagat zwischen zwei Geschäftsfeldern: Während die Auto-Sparte mit den SkyNomad-Modellen frischen Schwung in die Wachstumsstory bringen soll, drohen steigende Komponentenkosten die Margen im margenschwachen Einstiegssegment der Smartphones zusätzlich zu belasten. Wie stark sich beide Effekte gegenseitig ausgleichen, dürfte sich erst in den kommenden Quartalszahlen zeigen.