Xiaomi springt an. Die Aktie notiert bei 3,10 Euro, ein Plus von 7,11 Prozent an einem Tag. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 31,06 Prozent zu Buche. Zwei Nachrichten treiben den aktuellen Sprung: ein laufendes Aktienrückkaufprogramm und die Ankündigung einer neuen SUV-Serie namens Skynomad. Die Frage: Reicht die Automobil-Offensive, um die Schwäche im Smartphone-Geschäft auszugleichen?
Rückkauf trifft auf Produktoffensive
Seit dem 3. Juni hat Xiaomi rund 79,8 Millionen eigene Aktien eingezogen. Das entspricht etwa 0,31 Prozent des Kapitals und stützt den Kurs technisch. Parallel dazu bringt der Konzern mit dem Skynomad ein neues Modell in Stellung.
Der SUV soll mit Range-Extender-Technik eine rein elektrische Reichweite von bis zu 505 Kilometern erreichen. Mit Tankfüllung sind rund 1.500 Kilometer Gesamtreichweite drin. Xiaomi zielt damit direkt auf das lukrative Familien-Segment in China. Der Marktstart ist für die Chengdu Auto Show im August geplant, ein Europa-Start für 2027 bereits bestätigt.
Die entscheidende Kennzahl: Kann die Marge die Chip-Krise ausgleichen?
Der Kern des Problems liegt in der Profitabilität. Eine anhaltende Speicherchip-Knappheit belastet die Margen konzernweit.
Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz aus Elektrofahrzeugen, KI und neuen Initiativen um 6,9 Prozent auf 19,9 Milliarden Yuan. Allein die Elektrofahrzeugsparte legte um 5,1 Prozent auf 19 Milliarden Yuan zu. Im selben Zeitraum sanken die Smartphone-Auslieferungen um 19,2 Prozent — ein deutliches Warnsignal für das Kerngeschäft.
Die Forschungskosten kletterten unterdessen um 33,4 Prozent auf 9 Milliarden Yuan. Die strukturelle Frage lautet: Wird Xiaomi diese Investitionen schnell genug in Cashflow verwandeln, um den Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 6,51 Euro zu verkürzen?
Bullisches Szenario: Technologie und Kapitalschutz
Für eine Fortsetzung der Erholung spricht die Positionierung im Premium-Segment. Das Modell Skynomad N90 Max bietet rotierbare Vordersitze und LiDAR-Sensorik. Verläuft der Marktstart im August reibungslos, könnte Xiaomi im hart umkämpften chinesischen SUV-Markt Anteile gewinnen.
Das Rückkaufprogramm wirkt zusätzlich als Puffer gegen weitere Kursverluste. Der RSI von 66,7 signalisiert zwar eine kurzfristig ambitionierte Bewertung. Der Kurs liegt aber bereits 4,09 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt — ein Zeichen beginnender Stabilisierung. Gelingt der Ausbau der Produktpalette, könnte die Aktie in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts von 3,84 Euro laufen.
Bärisches Szenario: Margendruck und scharfe Konkurrenz
Die Kehrseite: Der bereinigte Nettogewinn brach im ersten Quartal um 43,1 Prozent auf 6,07 Milliarden Yuan ein. Grund ist die externe Chip-Knappheit, die Xiaomi kaum selbst steuern kann.
Hinzu kommt scharfer Wettbewerb. Xpeng bringt mit der MONA-Serie Modelle ab rund 15.000 Euro auf den Markt — deutlich günstiger als Xiaomis Angebot. Der Skynomad N70 soll bei umgerechnet rund 23.000 Euro starten, der N90 bei etwa 33.000 Euro. Höherwertige N90-Varianten könnten sogar zwischen 38.000 und 46.000 Euro liegen.
Auch internationale Konkurrenz formiert sich. VW plant mit dem ID.Cross ab Herbst 2026 einen eigenen Angriff auf das Segment. Bleibt die Konsumstimmung in China schwach, drohen zusätzliche Rabattschlachten. Der aktuelle Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von minus 19,31 Prozent zeigt: Der übergeordnete Abwärtstrend ist technisch noch nicht gebrochen.
Ausblick: August wird zum Testfall
Solange der Kurs über dem 50-Tage-Durchschnitt von 2,97 Euro bleibt, spricht vieles für eine beginnende Bodenbildung. Entscheidend wird, ob Xiaomi bei der Chengdu Auto Show im August konkrete Bestellzahlen oder eine aggressive Preisstrategie präsentiert.
Enttäuschen dagegen die Margendaten im nächsten Quartalsbericht, könnte die Unterstützung am 50-Tage-Durchschnitt schnell fallen. Ein zusätzlicher Frühindikator: die Stellenausschreibungen für den geplanten Europa-Vertrieb. Sie zeigen, wie ernst es Xiaomi mit der globalen Expansion für 2027 meint. Als weiterer Meilenstein steht im August die Vorstellung der HyperOS-4-Software zusammen mit der Xiaomi-18-Serie an.
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