Xiaomi steckt mitten im Spagat zwischen einem schrumpfenden Kerngeschäft und einer milliardenschweren Wette auf künstliche Intelligenz. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz auf 99,1 Milliarden Yuan, ein Rückgang von 10,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Nettogewinn brach noch deutlicher ein: Mit 6,072 Milliarden Yuan lag er 43,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Aktie reagierte damals scharf – nach Vorlage der Zahlen fiel sie im Mai 2026 um 4,57 Prozent auf 28,4 Hongkong-Dollar.
Smartphones schwächeln, Autosparte wächst mit Verlust
Das Sorgenkind bleibt das traditionelle Kerngeschäft. Die Sparte Smartphones und AIoT verzeichnete einen Umsatzrückgang von 14,5 Prozent auf 79,277 Milliarden Yuan, während die Auslieferungszahlen bei Smartphones sogar um 19,2 Prozent einbrachen. Die Bruttomarge im Handygeschäft rutschte von 12,4 auf 10,1 Prozent ab – ein Zeichen dafür, dass Xiaomi im hart umkämpften Massenmarkt zunehmend über den Preis kämpfen muss, selbst wenn der durchschnittliche Verkaufspreis auf ein Rekordniveau von 1.310 Yuan stieg und der Anteil margenstärkerer Premiumgeräte auf 23,5 Prozent zulegte.
Auf der anderen Seite expandiert die Elektroauto- und KI-Sparte weiter, wenn auch nicht ohne Kosten. Der Umsatzbereich EV und AI wuchs um 6,9 Prozent auf 19,864 Milliarden Yuan, gestützt von 80.856 ausgelieferten Fahrzeugen. Operativ schrieb das Segment allerdings einen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan – der Ausbau der Autoproduktion bleibt teuer, bevor Skaleneffekte greifen können.
Forschung und KI-Modelle als Zukunftswette
Gegen den Abwärtstrend im Smartphonegeschäft setzt Xiaomi auf Forschung. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen um 33,4 Prozent auf 9 Milliarden Yuan. Für 2026 plant der Konzern mindestens 16 Milliarden Yuan an KI-Investitionen, über einen Dreijahreszeitraum sollen es mehr als 60 Milliarden Yuan werden. Ein sichtbares Ergebnis dieser Strategie ist das Sprachmodell MiMo-V2.5-Pro, das auf der Plattform Artificial Analysis unter offenen Modellen den Spitzenplatz belegt. Xiaomi senkte die API-Preise für das Modell zudem um bis zu 99 Prozent und passte sie damit an das Preisniveau des Konkurrenzmodells DeepSeek V4-Pro an – ein aggressiver Schritt im Wettlauf um Entwickler und Unternehmenskunden.
Finanziell verfügt der Konzern trotz der schwächeren Ergebnisse über erhebliche Reserven: Die Barmittel summierten sich auf über 220 Milliarden Yuan. Parallel hat Xiaomi bereits mehr als 8 Milliarden Hongkong-Dollar eigener Aktien zurückgekauft und plant ein weiteres Rückkaufvolumen von bis zu 20 Milliarden Hongkong-Dollar. Für den 18. August 2026 hat der Vorstand zudem eine Sitzung angesetzt, in der die ungeprüften Halbjahresergebnisse für das erste Halbjahr 2026 verabschiedet werden sollen.
Reputativ musste sich das Unternehmen zuletzt auch mit einem juristischen Nachspiel rund um sein Elektroauto-Flaggschiff befassen: Ein chinesisches Gericht verurteilte einen Blogger zu 20 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 100.000 Yuan, weil er im August 2024 ein gefälschtes Crashtest-Video zum Elektro-SUV SU7 verbreitet und darin fälschlich behauptet hatte, Türen ließen sich nach dem Aufprall nicht öffnen und der Notruf habe versagt.
Kursbild bleibt angeschlagen
An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus schwachem Kerngeschäft und ambitionierter KI-Strategie in einem volatilen Kursverlauf wider. Die Aktie notiert aktuell bei 3,00 Euro und büßte im Tagesverlauf 2,15 Prozent ein. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 6,51 Euro aus dem September 2025 beträgt weiterhin knapp 54 Prozent – ein Hinweis darauf, wie stark der Kurs seit dem Höhenflug des vergangenen Jahres zurückgekommen ist. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 30,72 Prozent zu Buche. Für Anleger bleibt Xiaomi damit ein Wert mit zwei Gesichtern: einem strauchelnden Massenmarktgeschäft und einer Zukunftswette auf Elektromobilität und künstliche Intelligenz, deren Rentabilität sich erst noch beweisen muss.
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