Xiaomi kürzt sein eigenes Smartphone-Ziel für 2026 um weitere 30 Prozent. Der Grund: Speicherchips werden knapp, und die Hersteller bevorzugen margenstarke KI-Server-Produkte. Für Xiaomi als Anbieter von Einstiegs- und Mittelklasse-Geräten trifft das besonders hart.

Die Aktie zeigt sich davon am Freitag unbeeindruckt. Das Papier steigt um 3,45 Prozent auf 2,91 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 9,87 Prozent zu Buche. Der Blick auf die vergangenen zwölf Monate bleibt trotzdem ernüchternd: Dort steht ein Verlust von 53,06 Prozent.

Von 170 Millionen auf 95 Millionen Geräten

Ursprünglich wollte Xiaomi 2026 rund 135 Millionen Smartphones verkaufen. Das war bereits ein deutlicher Rückgang gegenüber den 170 Millionen Einheiten aus dem Vorjahr. Einem Bericht von Nikkei Asia zufolge hat der Konzern dieses Ziel nun auf etwa 95 Millionen Geräte gesenkt.

Zulieferer erhielten dazu eine Warnung: Bei anhaltenden Lieferengpässen könnte die Zahl noch weiter fallen. Speicherchiphersteller wie Samsung und SK Hynix verschieben ihre Produktionskapazität zunehmend in Richtung HBM- und Server-DRAM-Chips. Die Nachfrage aus dem KI-Rechenzentrumsbereich explodiert – und drückt die Verfügbarkeit für Smartphone-Komponenten.

Chinesische Marken mit Fokus auf preisgünstige Geräte trifft das besonders hart. Sie können steigende Kosten kaum an preissensible Kunden weitergeben. Also drosseln sie stattdessen die Produktion.

Ein Zulieferer-Manager beschreibt die Entwicklung als regelrechten Einbruch der Lieferprognose seit März. Auch Konkurrenten wie Oppo und Vivo mussten ihre Ziele nach unten korrigieren – beide rechnen für dieses Jahr nur noch mit unter 90 Millionen ausgelieferten Einheiten.

Sky Nomad soll die Lücke füllen

Während das Smartphone-Geschäft schrumpft, baut Xiaomi seine Auto-Sparte aus. Am Donnerstag stellte der Konzern die SUV-Serie Sky Nomad vor, vermarktet als Xiaomi Pengcheng. CEO Lei Jun beschreibt die Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerer als „smart, vielseitig und geräumig“.

Die Zahlen hinter dem Autogeschäft zeigen echtes Wachstum. Das Segment Smart-EV, KI und neue Initiativen erzielte 2025 einen Umsatz von 106,1 Milliarden Renminbi – ein Plus von 223,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erstmals schrieb die Sparte mit 900 Millionen Renminbi auch operativ schwarze Zahlen.

Die Bruttomarge kletterte von 18,5 auf 24,3 Prozent. Insgesamt lieferte Xiaomi im vergangenen Jahr 411.082 Fahrzeuge aus. Für 2026 peilt der Konzern 550.000 Auslieferungen an.

Die Nachfrage übertrifft die Produktionskapazität dabei deutlich. Beim YU7-Crossover gingen in nur drei Minuten mehr als 200.000 Festbestellungen ein, binnen 18 Stunden waren es 240.000 verbindliche Vorbestellungen. Bis Ende Juni 2026 lieferte Xiaomi in China aber erst 258.232 Einheiten aus – Tesla verkaufte im selben Zeitraum mit dem Model Y fast doppelt so viele Fahrzeuge.

Mit Sky Nomad zielt Xiaomi nun auf ein größeres, familienorientiertes Segment, das in China bislang von Li Auto dominiert wird. Exportiert hat der Konzern seine Fahrzeuge bisher nicht. Der Markteintritt in Europa ist für 2027 geplant.

Der Aktienkurs notiert derzeit rund 3 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 3,01 Euro, aber deutlich über dem 52-Wochen-Tief von 2,34 Euro aus dem Juni. Wie stark das Autogeschäft die strukturellen Probleme im Smartphone-Kerngeschäft am Ende auffangen kann, hängt entscheidend davon ab, ob Xiaomi die Produktionslücke beim YU7 schließt und Sky Nomad wie geplant anlaufen lässt.