Ausgangslage

Xiaomi hat frische Geschäftszahlen vorgelegt, die Anleger vor eine Abwägung stellen. Im zweiten Quartal 2026 sank der bereinigte Gewinn um 42,6 Prozent auf 6,22 Milliarden Yuan und verfehlte damit die Markterwartung von 6,31 Milliarden Yuan.

Der Konzernumsatz gab um 6,1 Prozent auf 108,92 Milliarden Yuan nach. Das Kerngeschäft mit Smartphones und vernetzten Geräten schrumpfte deutlich: Die Handy-Auslieferungen brachen um 26,5 Prozent auf 31,2 Millionen Stück ein, während der durchschnittliche Verkaufspreis auf ein Rekordniveau von 1.351 Yuan stieg.

Dem gegenüber steht ein wachsendes Geschäft mit Elektroautos: Die Sparte Auto und KI legte um 17,1 Prozent auf 24,9 Milliarden Yuan zu, die Fahrzeugauslieferungen kletterten um 28,2 Prozent auf 104.200 Einheiten. Der Elektro-Flitzer SU7 erreichte zudem binnen 28 Monaten die Marke von 500.000 verkauften Einheiten.

Der Kurs bewegt sich aktuell bei 2,86 Euro, nahezu unverändert zum Vortag und knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 2,88 Euro. Auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von 34 Prozent zu Buche, verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch vom 25. September 2025 fehlt der Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes.

Genau in dieser Gemengelage aus schwächelndem Kerngeschäft und wachsendem Autobereich entscheidet sich, welche Richtung die Aktie in den kommenden Monaten einschlägt.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor ist simpel formuliert: Kann das Autogeschäft den Gewinnrückgang im Smartphone- und IoT-Segment kompensieren, bevor die Marge weiter erodiert? Das Kerngeschäft aus Handys und vernetzten Geräten verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Umsatzrückgang von 14,5 Prozent, die Bruttomarge sackte auf 10,1 Prozent ab.

Gleichzeitig pumpt Xiaomi massiv Kapital in Forschung und Entwicklung – die Ausgaben stiegen im ersten Quartal um 33,4 Prozent auf rund 9 Milliarden Yuan, allein für KI-Investitionen sind in diesem Jahr mindestens 16 Milliarden Yuan vorgesehen, über drei Jahre mehr als 60 Milliarden Yuan. Ob diese Investitionen rechtzeitig Früchte tragen, während das margenschwächere Handygeschäft schrumpft, ist die Kernfrage für die Bewertung.

Bullisches Szenario

Für Optimisten sprechen mehrere Signale. Die Autosparte wächst zweistellig bei Umsatz und Stückzahlen, und Xiaomi verkaufte in der ersten Jahreshälfte 2026 bereits mehr als halb so viele Elektrofahrzeuge wie Volkswagen im gesamten Vorjahr weltweit.

Für 2026 peilt das Unternehmen insgesamt über 500.000 ausgelieferte Fahrzeuge an, ein internationaler Marktstart soll 2027 folgen. Zusätzlich verfügt der Konzern über Barreserven von mehr als 220 Milliarden Yuan, was Spielraum für weitere Investitionen schafft, ohne die Substanz zu gefährden.

Im KI-Bereich positioniert sich Xiaomi mit dem offen zugänglichen Modell MiMo-V2.5-Pro nach eigenen Angaben an der Weltspitze, was langfristig neue Erlösquellen im Software- und Internetdienstgeschäft eröffnen könnte – die Bruttomarge im Internetdienstgeschäft lag zuletzt bei starken 76,1 Prozent.

Bärisches Szenario

Die Risiken sind ebenso konkret. Der Rückgang der Handy-Auslieferungen um mehr als ein Viertel im zweiten Quartal ist kein Ausrutscher, sondern setzt einen Trend aus dem ersten Quartal fort, als die Stückzahlen bereits um 19,2 Prozent sanken.

Das Kerngeschäft, das noch immer den Löwenanteil des Konzernumsatzes stellt, verliert an Fahrt, während die Bruttomarge im Smartphone- und IoT-Segment auf 10,1 Prozent gedrückt wurde. Auch die Autosparte ist trotz Wachstums noch nicht profitabel: Im ersten Quartal wies das Geschäft mit Fahrzeugen und KI einen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan aus.

Der durchschnittliche Verkaufspreis der Autos sank zudem um 1,3 Prozent auf 235.116 Yuan, was auf Preisdruck im umkämpften chinesischen E-Auto-Markt hindeutet. Charttechnisch bestätigt sich die Schwäche: Der Kurs notiert 21 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt, die 30-Tage-Volatilität liegt bei hohen 55 Prozent – ein Umfeld, das nervöse Anleger abschrecken dürfte.

Ausblick

Solange die Autosparte ihre Wachstumsdynamik hält und die angekündigten KI-Investitionen sichtbare Umsatzbeiträge liefern, könnte die aktuelle Kursschwäche als Übergangsphase gewertet werden, in der ein margenstärkeres Geschäftsfeld das schrumpfende Kerngeschäft schrittweise ablöst.

Kippt hingegen der Handyabsatz weiter ab, ohne dass die Autosparte die Verlustzone verlässt, droht die Ergebnisbelastung sich zu verfestigen – der verfehlte Gewinnkonsens im zweiten Quartal wäre dann kein Einzelfall.

Der für 2027 geplante internationale Start des SU7 gilt als nächster sichtbarer Meilenstein, an dem sich ablesen lässt, ob Xiaomis Autogeschäft auch jenseits des Heimatmarkts Zugkraft entwickelt.

Bis dahin bleibt der RSI von 43,1 ein Hinweis darauf, dass die Aktie weder überkauft noch überverkauft ist – der Markt scheint die widersprüchlichen Signale aus Kerngeschäft und Zukunftssparte noch nicht eindeutig eingepreist zu haben.