Starke Nachfrage nach Premium-Chips, schwache Lieferzahlen — bei Xiaomi klaffen Anspruch und Realität gerade weit auseinander. Das Unternehmen will sein nächstes Flaggschiff-Smartphone dennoch mit Qualcomms stärkstem verfügbarem Prozessor ausstatten. Ob das gelingt, ist keine ausgemachte Sache.

Snapdragon 8 Elite Gen 6 Pro im Visier

Laut dem bekannten Insider Digital Chat Station befindet sich ein Gerät mit dem Qualcomm-Chip SM8975 bereits in der Testphase. Dieser Prozessor soll unter dem Namen Snapdragon 8 Elite Gen 6 Pro vermarktet werden. TSMC fertigt ihn im 2-nm-Prozess — ein spürbarer Sprung gegenüber der aktuellen 3-nm-Generation.

Der Chip soll LPDDR6-Arbeitsspeicher und eine leistungsstärkere Adreno-850-GPU unterstützen. Ob Xiaomi den LPDDR6-Vorteil tatsächlich nutzen wird, bleibt offen. DRAM- und NAND-Preise stiegen im ersten Quartal um fast 90 Prozent gegenüber dem Vorquartal — das belastet die gesamte Branche.

Kamera, Akku, Marktstart

Die geleakten Spezifikationen klingen ambitioniert. Das Gerät soll eine 200-Megapixel-Hauptkamera mit 1/1,28-Zoll-Sensor mitbringen. Das periskopische Teleobjektiv könnte ebenfalls auf 200 Megapixel kommen. Der Akku soll 8.500 mAh fassen, mit 100-Watt-Kabelladen und 50-Watt-Wireless-Charging. Den Marktstart plant Xiaomi Gerüchten zufolge für September dieses Jahres.

Schwieriges Umfeld für Premium-Strategie

Die Entscheidung für den Pro-Chip fällt in eine schwierige Phase. Im ersten Quartal 2026 verzeichnete Xiaomi unter den fünf größten Smartphone-Herstellern den stärksten Lieferungsrückgang weltweit. Laut Counterpoint Research hält das Unternehmen zwar mit 12 Prozent Marktanteil Platz drei. Die Lieferungen brachen jedoch um 19 Prozent ein — der Gesamtmarkt schrumpfte nur um 6 Prozent.

Die Aktie spiegelt diese Schwäche wider. Mit rund 3,48 Euro notiert das Papier mehr als 26 Prozent unterhalb seines 200-Tage-Durchschnitts. Seit Jahresanfang hat die Aktie knapp 23 Prozent verloren.

Parallel treibt Xiaomi seine Diversifizierung voran. Das Vision Gran Turismo Concept feierte am 24. April auf der Pekinger Automesse sein China-Debüt. Für 2027 plant das Unternehmen den Eintritt in den europäischen Markt — mit 150 geplanten Stores in Großbritannien und einem bestehenden Forschungszentrum in München.

Das Smartphone-Segment bleibt dabei das Fundament. Ob die Premium-Strategie mit dem Pro-Chip aufgeht, zeigt sich spätestens im Herbst — wenn die Xiaomi-18-Serie auf einen Markt trifft, der unter Speicherkosten und nachlassender Nachfrage leidet.