Morgen legt XPeng die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Eigentlich sollte das der Moment sein, in dem die Aktie zeigt, ob sich die operative Erholung fortsetzt.
Für mich überlagert aber ein anderes Thema die Berichtssaison: der Rückruf von 264.842 Fahrzeugen der Modelle G6, P7+ und X9, der seit Freitag läuft und offiziell auf mögliche Sicherheitsprobleme an der Vorderachsaufhängung zurückgeht. Das ist keine Randnotiz, das ist der eigentliche Stresstest für das Unternehmen.
Auslieferungszahlen stimmen, aber sie beantworten nicht die entscheidende Frage
Die operativen Daten für sich genommen sind solide. XPeng lieferte im zweiten Quartal 103.295 Fahrzeuge aus, exakt im selbst gesteckten Korridor von 100.000 bis 106.000 Einheiten. Im Juli kamen laut Medienberichten mehr als 38.000 weitere Fahrzeuge hinzu.
Auch international tut sich etwas: In Frankreich meldet das Unternehmen kumuliert 6.000 ausgelieferte Fahrzeuge, ein für den europäischen Markt bemerkenswerter Meilenstein. Mit dem G9L hat XPeng zudem Anfang August ein neues SUV-Modell vorgestellt und mit Preisen ab 259.800 Yuan direkt in die Vorverkaufsphase geschickt.
Für mich zeigt das: Das operative Geschäft läuft nicht schlecht. Doch genau deshalb wiegt der Rückruf schwerer, als es auf den ersten Blick scheint. Wachstum ist wertlos, wenn es auf einer Qualitätsbasis steht, die ins Wanken gerät.
Der Rückruf trifft die Kernmodelle, nicht die Nische
Was mich an der Rückrufaktion beunruhigt, ist ihr Umfang und ihre Reichweite. Es geht nicht um ein Nischenmodell, sondern um G6, P7+ und X9 – also um Fahrzeuge, die für das Volumen und das Premium-Image der Marke gleichermaßen wichtig sind.
Auch international schlägt das Thema durch: Der malaysische Vertriebspartner Bermaz XPeng hat für den X9 eigenständig einen freiwilligen Rückruf zum Austausch der vorderen Luftfederung angekündigt. Wenn ein Sicherheitsproblem gleich mehrere Baureihen und mehrere Länder betrifft, ist das aus meiner Sicht kein isolierter Vorfall, sondern ein strukturelles Warnsignal für die Qualitätssicherung.
Positiv immerhin: Auf der juristischen Seite hat XPeng zumindest einen Etappensieg verbucht. Ein von der australischen Justiz geführtes Verfahren, das der ehemalige Vertriebspartner TrueEV angestrengt hatte, wurde eingestellt, weil TrueEV die geforderte Sicherheitsleistung nicht hinterlegte.
Der für Oktober geplante Prozess entfällt damit. XPeng hat dabei zugesichert, dokumentierte Cashback- und Garantieverlängerungszusagen gegenüber TrueEV-Kunden weiterhin zu erfüllen. Das ist zumindest ein Beleg dafür, dass sich das Unternehmen um bestehende Kundenbeziehungen kümmert, auch wenn ein Vertriebspartner wegbricht.
Was die Marktdaten über die Stimmung verraten
Der Kurs spiegelt die Verunsicherung deutlich wider. Am Freitag schloss die Aktie bei 10,44 Euro, nur 4,5 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 9,99 Euro, das erst vor wenigen Tagen markiert wurde.
Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 42 Prozent zu Buche, ein Kursniveau, das eindeutig zeigt: Der Markt preist die operativen Fortschritte kaum noch ein, sondern konzentriert sich auf Risiken. Die Nähe zum Jahrestief bei gleichzeitig laufendem Rückruf ist für mich kein Zufall, sondern Ausdruck echter Verunsicherung institutioneller wie privater Anleger.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich XPeng an einem Scheidepunkt, der über die morgigen Zahlen hinausgeht. Die Auslieferungszahlen und die internationale Expansion sprechen für ein Unternehmen, das operativ liefert. Der große Rückruf bei den Kernmodellen jedoch stellt genau diese Erzählung infrage – schließlich nützt Wachstum wenig, wenn Sicherheitsfragen den Markennamen belasten.
Für mich hängt der weitere Kursverlauf weniger an den Q2-Zahlen selbst als daran, wie transparent und schnell XPeng den Rückruf abwickelt. Die Chancen, dass die Story sich stabilisiert, bestehen – aber sie sind an Bedingungen geknüpft, die das Unternehmen erst noch erfüllen muss.
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