XPeng-Aktien gaben gestern 2,8 Prozent nach, nachdem chinesische Behörden eine landesweite Überprüfungskampagne für vernetzte und autonom fahrende Fahrzeuge angekündigt hatten.

Das Industrieministerium MIIT, das Ministerium für öffentliche Sicherheit und die Marktaufsicht SAMR wollen laut Reuters und CnEVPost ein Jahr lang die Sicherheit und Fertigungskonformität intelligenter Fahrsysteme prüfen. Für einen Hersteller, der sein Wachstum stark auf Fahrassistenz- und Autonomietechnologie stützt, ist das eine unangenehme Nachricht.

Der Schlusskurs von 9,76 Euro liegt nur noch 3,6 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom 25. August – ein Zeichen dafür, wie sehr die jüngste Nachrichtenlage den Kurs belastet hat.

Verschärfter Preiskampf drückt auf die gesamte Branche

Die regulatorische Initiative trifft XPeng in einer ohnehin angespannten Phase. Der Wettbewerber Li Auto meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 3,98 Milliarden Yuan, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn stand. Laut 36kr belastet „irrationaler Wettbewerb“ in der chinesischen Elektroautobranche die Margen branchenweit.

XPeng selbst hatte erst Anfang der Woche einen auf 179 Prozent gestiegenen Nettoverlust von 1,34 Milliarden Yuan für das zweite Quartal 2026 vermeldet, bei einem Umsatz, der mit 19,74 Milliarden Yuan unter der Analystenerwartung von 20,57 Milliarden Yuan blieb.

Die verschärfte Sicherheitsprüfung dürfte den Druck auf die Kalkulationen weiter erhöhen: Zusätzliche Konformitätsauflagen bedeuten in der Regel höhere Entwicklungs- und Zertifizierungskosten – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem die Hersteller ohnehin um jeden Yuan Marge kämpfen.

Sicherheitsthema reiht sich in bestehende Belastungen ein

Die neue Kampagne ist nicht die erste sicherheitsbezogene Baustelle für XPeng in diesem Sommer. Erst vor rund einer Woche hatte das Unternehmen einen Rückruf-Fix im Rahmen einer branchenweiten Aktion in China umgesetzt, die 4,3 Millionen Fahrzeuge von Tesla und acht weiteren heimischen Herstellern wegen Problemen an Notentriegelungen der Türen betraf.

Dass Regulierer nun gezielt autonome Fahrsysteme unter die Lupe nehmen, verstärkt den Eindruck einer Branche, die unter verschärfter staatlicher Beobachtung steht.

Operativ hält XPeng an seinem Produktfahrplan fest: Der SUV G9L soll im September in China auf den Markt kommen, der MONA L05 folgt im vierten Quartal.

Die MONA-Baureihe kam bis zur Chengdu Auto Show Mitte August auf kumuliert 310.000 Auslieferungen seit dem Start 2024. Ob diese Modelloffensive die regulatorische Unsicherheit und den intensiven Preiskampf ausgleichen kann, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen müssen – zumal die eigene Prognose für das dritte Quartal mit 115.000 bis 121.000 Auslieferungen bereits deutlich unter dem Marktkonsens von rund 145.000 Einheiten liegt.