XPeng hat mit dem Verkaufsstart des Flaggschiff-SUV G9L eine wichtige Wachstumsetappe erreicht. Das Modell feierte am 11. August seine offizielle Premiere und ging in China in den Vorverkauf, die Auslieferungen sollen im September beginnen. Für den Autobauer aus Guangzhou ist das Fahrzeug ein zentraler Baustein, um das selbst gesteckte Ziel von monatlich mehr als 60.000 verkauften Einheiten im vierten Quartal zu erreichen.
Der Kapitalmarkt zeigt sich von der Modelloffensive bislang unbeeindruckt. Die Aktie notiert aktuell bei 9,05 Euro und liegt damit nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 8,89 Euro, das erst vor rund einem Jahr markiert wurde.
Seit Jahresbeginn hat das Papier die Hälfte seines Wertes verloren, verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von 24,40 Euro beträgt der Abstand rund 63 Prozent. Der 14-Tage-RSI von 33,8 deutet auf eine überverkaufte Lage hin, ohne dass sich daraus bislang eine Trendwende ableiten lässt.
Auslieferungen wachsen, aber langsamer als erhofft
Im August lieferte XPeng 39.107 Fahrzeuge aus, ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das dritte Quartal peilt das Unternehmen 115.000 bis 121.000 Auslieferungen an, was einem monatlichen Durchschnitt von rund 38.500 bis 41.500 Einheiten entspricht. Das internationale Geschäft entwickelt sich dabei deutlich dynamischer als das China-Geschäft: Im zweiten Quartal überschritten die Überseeauslieferungen erstmals die Marke von 20.000 Einheiten, ein Zuwachs von 81 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die Zahlen zum zweiten Quartal, die Ende August veröffentlicht wurden, zeigten einen Umsatz von 19,74 Milliarden Renminbi bei einer Bruttomarge von 20,7 Prozent. Nach der Vorlage der Ergebnisse reagierten mehrere Analysehäuser mit gesenkten Kurszielen. Barclays reduzierte sein Kursziel auf 14 US-Dollar und beließ die Einstufung bei „Underweight“.
Goldman Sachs kappte das Kursziel für die in Hongkong gelistete Aktie um gut zehn Prozent auf 69 Hongkong-Dollar, hielt jedoch an der Kaufempfehlung fest. Diese Einschätzungen datieren vom 25. August und spiegeln damit die unmittelbare Reaktion auf die Quartalszahlen wider.
Robotik als zweites Standbein
Neben dem Kerngeschäft mit Elektrofahrzeugen treibt XPeng seine Robotik-Sparte voran. Diese sammelte im Zuge der Quartalsvorlage mehr als 900 Millionen US-Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von über 6,3 Milliarden US-Dollar ein – nach Unternehmensangaben die größte Einzelfinanzierungsrunde der chinesischen Industrie für verkörperte künstliche Intelligenz. Der humanoide Roboter IRON, dessen Fertigungslinie am vergangenen Mittwoch in Betrieb ging, soll bis Ende des Jahres in Serie gehen.
Auf der Softwareseite bereitet XPeng zudem die erste größere Aktualisierung seines Fahrassistenzsystems vor. Das VLA-2.0-Modell soll Ende August in China ausgerollt werden und ausgewählte Funktionen auf Level-4-Niveau in Serienfahrzeuge bringen.
Für Europa peilt das Unternehmen eine regulatorische Zulassung in der ersten Jahreshälfte 2027 an. Parallel dazu erhielt XPeng eine Genehmigung für Robotaxi-Tests in Guangzhou, bei denen Fahrzeuge auf ausgewiesenen Teststrecken ohne Sicherheitsfahrer an Bord unterwegs sein dürfen.
Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob die operative Wachstumsstory aus neuen Modellen, internationaler Expansion und Robotik-Ambitionen die Margendiskussion überlagern kann. Die nächsten Geschäftszahlen, die Aufschluss über die Wirkung des G9L-Starts geben dürften, sind für den 24. November angesetzt.
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