Innerhalb weniger Tage meldete der chinesische Elektroautobauer einen technologischen Meilenstein beim autonomen Fahren, startete die Weltpremiere eines neuen Kompakt-SUV in Deutschland und musste sich zugleich mit Beschwerden über die Luftfederung eines Flaggschiff-Modells auseinandersetzen. Die Aktie notierte zuletzt bei 12,02 Euro und legte auf Wochensicht um 5,62 Prozent zu, blieb auf Jahressicht mit einem Minus von 31,12 Prozent aber weit hinter dem breiten Markt zurück.
Erste fahrerlose Robotaxi-Fahrt und Weltpremiere in München
Unternehmenschef He Xiaopeng absolvierte am 15. Juli 2026 die erste vollständige Fahrt mit dem neuen Robotaxi-Fahrzeug GX, nach Unternehmensangaben Chinas erstes in Serie gefertigtes Level-4-Fahrzeug für autonome Taxidienste. Das Auto nutzt vier Turing-KI-Chips mit einer Rechenleistung von rund 3000 TOPS sowie die Software VLA 2.0, deren Reaktionszeit unter 80 Millisekunden liegt. Bereits im Januar 2026 hatte XPeng eine Testgenehmigung für den Straßenverkehr in Guangzhou erhalten, im März folgte die Gründung einer eigenen Geschäftseinheit für das Robotaxi-Geschäft. Für die zweite Jahreshälfte 2026 ist ein Pilotbetrieb geplant, ab Anfang 2027 soll das System vollständig ohne Sicherheitsfahrer laufen.
Parallel dazu feierte das Kompakt-SUV MONA L03 am 16. Juli 2026 in München seine Weltpremiere, nach einer Vorpremiere in China Anfang Juli. Der Preis beim Vorverkauf liegt umgerechnet zwischen rund 143.800 und 165.800 Yuan, verteilt auf sechs Ausstattungsvarianten. Das Modell kommt sowohl als reines Elektrofahrzeug mit 525 beziehungsweise 625 Kilometern Reichweite als auch als Range-Extender mit einer Gesamtreichweite von 1330 Kilometern. Die Topversion Ultra SE bringt mit zwei Turing-Chips bis zu 1500 TOPS Rechenleistung an Bord, die Max-Variante kommt auf 750 TOPS. Der cw-Wert liegt bei 0,228, den Sprint von null auf 100 km/h schafft der Wagen in 6,6 Sekunden. Gestaltet wurde das Fahrzeug von einem Team um den früheren Ferrari-Designer Juanma López. Nach Unternehmensangaben soll der L03 künftig 30 bis 40 Prozent seines Absatzes im Ausland erzielen, während der Auslandsanteil bei XPeng insgesamt derzeit rund 20 Prozent beträgt und langfristig auf die Hälfte steigen soll. Die europäischen Neuzulassungen von XPeng verdreifachten sich bereits im Juni 2026 im Vorfeld des Markstarts. Am 14. Juli hatte He Xiaopeng zudem persönlich die Lokalisierungstests der zweiten VLA-Generation in Deutschland abgeschlossen – das System erkennt europäische Verkehrszeichen und Regeln inzwischen weitgehend ohne zusätzliches Training, XPeng positioniert sich damit als erstes chinesisches Unternehmen mit hochentwickelter Fahrassistenz in Europa.
Analysten sehen trotz schwachem Jahresauftakt Aufwärtspotenzial
Die Bilanz für das erste Quartal 2026 fiel schwach aus: Laut JPMorgan-Analyst Nick Lai verzeichnete XPeng einen Umsatz von 12,95 Milliarden US-Dollar bei einem Nettoverlust nach GAAP von 1,77 Milliarden US-Dollar, nach 15,81 Milliarden US-Dollar Umsatz und 664 Millionen US-Dollar Verlust im Vorjahresquartal. Lai bestätigte dennoch seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 27 US-Dollar, der Analystenkonsens liegt bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 22,31 US-Dollar. Auch Seeking Alpha bekräftigte eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 26 US-Dollar und verweist auf eine erwartete Erholung in der zweiten Jahreshälfte durch neue Modelle wie das Flaggschiff-SUV GX sowie die Baureihen L03 und L05, gestützt von Bruttomargen über 20 Prozent trotz steigender Kosten. Im zweiten Quartal lieferte XPeng nach diesen Angaben 103.295 Fahrzeuge aus und übertraf damit die eigene Prognose, getragen von starken Verkäufen der Mona-Reihe und des GX. Vom GX liefen zuletzt im Monat mehr als 6700 Einheiten vom Band, insgesamt bereits 10.000 Fahrzeuge. Zusätzlichen Rückenwind lieferte Mitte Juli die Ankündigung, den humanoiden Roboter IRON ab 2027 global auf den Markt zu bringen, mit einer angestrebten Produktionskapazität von über 1000 Einheiten monatlich bis Ende 2026. Zunächst soll IRON ab dem ersten Quartal 2027 als Einkaufsassistent in chinesischen XPeng-Filialen eingesetzt werden, später auch im Ausland.
Rückschläge bei Luftfederung und juristischer Erfolg
Nicht alle Nachrichten fielen positiv aus. Besitzer des Flaggschiff-SUV X9 berichteten von wiederkehrenden Problemen mit der Luftfederung: Nach längerem Stillstand komme es bereits nach rund zehn Minuten Fahrt zu Luftverlust, einem Absacken der Karosserie und einer Blockade des Antriebs. Der Kundendienst führt dies auf eine überhitzungsbedingte Schutzfunktion des Kompressors zurück, die per Over-the-Air-Update behoben werden solle. Betroffene Fahrzeughalter fanden jedoch undichte Stoßdämpfer und Ventile, die einen Hardware-Austausch nötig machen – ein Ersatz eines kompletten Luftfederungssatzes kostet in Vertragswerkstätten mehrere Tausend Yuan. Ähnliche Probleme waren bereits in den Sommern 2024 und 2025 aufgetreten, Software-Updates linderten sie damals nur vorübergehend. Eine offizielle Stellungnahme von XPeng zu den aktuellen Fällen steht aus. Auf der rechtlichen Seite verbuchte das Unternehmen dagegen einen Erfolg: Ein Auto-Blogger wurde am 16. Juli 2026 gerichtlich verurteilt, sich bei XPeng für verleumderische Aussagen über angebliche Bremsprobleme zu entschuldigen und Schadenersatz zu zahlen.
Mit einem 50-Tage-Durchschnitt von 12,72 Euro und einem 200-Tage-Durchschnitt von 16,17 Euro notiert die Aktie weiterhin unter beiden Trendlinien, der Abstand zum 200-Tage-Schnitt beträgt 25,66 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 10,18 Euro, erreicht Ende Juni 2026, besteht dagegen ein Polster von 18,07 Prozent, während das Hoch von 24,40 Euro aus dem November 2025 noch mehr als die Hälfte entfernt liegt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 42,90 Prozent und ein RSI von 50,7 spiegeln ein Papier wider, das nach den jüngsten Nachrichten aus dem Roboterwagen- und SUV-Geschäft wieder stärker in Bewegung geraten ist, ohne dass sich die Marke bereits eindeutig für eine Richtung entschieden hätte.
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