Der chinesische Elektroautohersteller XPeng hat mit der Vorstellung seines neuen Modells MONA L03 in München eine aggressive Expansionsphase für den europäischen Markt eingeleitet. Die Wahl des Präsentationsortes in unmittelbarer Nähe zur Zentrale von BMW wird in der Branche als direkte Kampfansage an die etablierte deutsche Automobilindustrie gewertet. CEO He Xiaopeng unterstrich bei dem Event den Anspruch des Unternehmens, langfristig die Spitzenposition in Europa einzunehmen.

MONA L03 als Speerspitze der Europa-Expansion

Das neue Modell MONA L03, das auch unter der Bezeichnung L03 vermarktet wird, positioniert sich preislich deutlich unter der westlichen Konkurrenz. In Deutschland soll das Fahrzeug zu einem Startpreis von 35.600 Euro angeboten werden. Damit unterbietet XPeng das Tesla Model Y um rund 3.000 Euro und den Audi Q4 e-tron um mehr als 10.000 Euro. Trotz der niedrigeren Preise betont He Xiaopeng, dass man nicht über eine reine Massenstrategie, sondern über technologische Differenzierung im Premium-Segment punkten wolle.

XPeng hat sich für die kommenden Jahre ehrgeizige Ziele gesteckt. Im laufenden Jahr 2026 strebt das Unternehmen den Absatz von 8.000 Fahrzeugen in Deutschland an, für 2027 ist eine Steigerung auf 20.000 Einheiten geplant. Global soll die Zahl der Auslieferungen in Übersee bis Ende 2026 auf 90.000 Einheiten verdoppelt werden. Im vergangenen Juni konnte der Hersteller bereits einen Erfolg vermelden: Mit 40.126 ausgelieferten Fahrzeugen steigerte XPeng sein Volumen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15,93 %.

An der Börse spiegelte sich die Aufbruchstimmung zuletzt jedoch nicht wider. Am Freitag gab der Aktienkurs von XPeng um 3,90 % nach und schloss bei 11,82 €. Das Papier notiert damit aktuell etwa 51,56 % unter seinem 52-Wochen-Hoch, das am 12. November 2025 bei 24,40 € markiert wurde.

Bestellboom in China und technologischer Vorsprung

Während der Marktstart in Europa vorbereitet wird, verzeichnet XPeng in seinem Heimatmarkt China eine enorme Nachfrage. Unmittelbar nach der offiziellen Markteinführung am 16. Juli 2026 gingen innerhalb von nur sieben Minuten über 20.000 verbindliche Bestellungen für den MONA L03 ein. Nach knapp zwei Stunden war die Zahl bereits auf 46.859 Vorbestellungen angewachsen. Die Analysten der Deutschen Bank prognostizieren für das Modell ein monatliches Verkaufsvolumen von rund 12.500 Einheiten.

Technologisch setzt XPeng beim L03 auf Eigenentwicklungen. Das Fahrzeug ist mit dem neuen „Turing AI Chip“ ausgestattet, der in der leistungsstärksten Ausführung bis zu 1.500 TOPS (Tera Operations Per Second) erreicht. Dieser Chip bildet das Rückgrat für das assistierte Fahrsystem NGP und das neue VLA 2.0-Modell (Vision Language Action), welches die Interaktion des Fahrzeugs mit seiner Umwelt steuert. Um die Software-Funktionen auch außerhalb Chinas nahtlos nutzen zu können, ist XPeng eine Partnerschaft mit Google Maps eingegangen. Die Integration des Google Maps Auto SDK ermöglicht eine optimierte Navigation und die Anpassung der autonomen Fahrfunktionen an internationale Straßenverhältnisse.

Infrastruktur und regulatorische Hürden

Ein zentraler Baustein der Strategie ist der Aufbau einer eigenen Ladeinfrastruktur. XPeng plant, bis zum Jahr 2028 rund 4.000 Ladepunkte an etwa 666 Standorten in Europa zu errichten. Diese Stationen sollen eine Ladeleistung von bis zu einem Megawatt bieten, um die Standzeiten für Kunden drastisch zu verkürzen.

Auch regulatorisch bereitet das Unternehmen den Boden für seine Smart-Driving-Technologien. Laut He Xiaopeng wurde eine neue EU-Verordnung (DCAS UNR 171) verabschiedet, die in etwa sechs Monaten in Kraft treten wird. Diese ermöglicht es XPeng, seine hochentwickelten Assistenzsysteme legal auf europäischen Straßen einzusetzen. Der CEO rechnet damit, dass internationale Nutzer ab dem Jahr 2027 die volle Erfahrung der VLA-Technologie im Ausland erleben können.

Trotz der Expansionspläne gibt es jedoch auch kritische Stimmen. Medienberichten zufolge sind einige Besitzer älterer Modelle wie des P7+ besorgt, da in Europa nur die Top-Variante des L03 über die volle Chip-Ausstattung verfügt, die für künftige Software-Updates des VLA-Systems notwendig sein könnte. Zudem beobachtet die Branche genau, wie sich die strategische Zusammenarbeit mit Volkswagen entwickelt, nachdem der deutsche Konzern, der mit 5 % an XPeng beteiligt ist, zuletzt massive Stellenstreichungen ankündigte.