Knapp über dem Jahrestief, weit unter dem alten Rekord: XPeng notiert bei 10,32 Euro, nur 3,3 Prozent über dem im August markierten 52-Wochen-Tief von 9,99 Euro. Seit Jahresanfang hat die Aktie 43 Prozent verloren. Am Montag könnte sich zeigen, ob dieser Abwärtstrend endet oder sich fortsetzt.

Ausgangslage: Quartalszahlen nach schwächeren Auslieferungen

XPeng legt am Montag vor US-Börsenöffnung die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Die Erwartungen sind gedämpft. Im Juli lieferte der chinesische E-Auto-Hersteller 38.027 Fahrzeuge aus, vier Prozent mehr als im Vorjahr. Damit stieg die kumulierte Auslieferungszahl weltweit auf über 1,2 Millionen Fahrzeuge.

Der Wert liegt aber unter dem Juni-Ergebnis von 40.126 Fahrzeugen. Insgesamt kam XPeng im zweiten Quartal auf 103.295 Auslieferungen. Der Bericht am Montag soll zeigen, wie sich diese Abschwächung zusammen mit hohen Ausgaben für KI und autonomes Fahren auf Marge und Cashflow auswirkt. Die konkreten Zahlen bleiben bis zur Veröffentlichung offen.

Die entscheidende Frage: Trägt die Margenverbesserung den Rückgang bei den Lieferungen?

Für den kurzfristigen Kursverlauf zählt vor allem eine Frage: Kann XPeng zeigen, dass Brutto- und Fahrzeugmarge weiter steigen, auch wenn das Auslieferungswachstum nachlässt? Im ersten Quartal lag die Bruttomarge bei 20,6 Prozent, ein Plus von 5,0 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Die Fahrzeugmarge kletterte auf 12,1 Prozent, 1,6 Punkte mehr als ein Jahr zuvor.

Setzt sich dieser Trend trotz des Juli-Rückgangs fort, spricht das für die These, dass XPeng sich einer nachhaltigen Profitabilität nähert. Stagniert die Marge dagegen zusammen mit schwächeren Volumina, gewinnt das bärische Szenario deutlich an Gewicht.

Bullisches Szenario: Globale Expansion und KI-Pipeline

Die optimistische Sichtweise stützt sich auf die internationale Expansion und die technologische Diversifizierung des Unternehmens. Am 16. Juli veranstaltete XPeng in München seinen Brand Day mit der globalen Einführung des Modells L03. Es soll dieses Jahr in 65 Ländern und Regionen starten.

Parallel dazu treibt XPeng neue Märkte voran. Für Australien hat der Hersteller seine langfristige Strategie vorgestellt, inklusive fünf komplett neuer Modelle in der zweiten Jahreshälfte 2026. Auf der Technologieseite soll das selbst entwickelte Fahrassistenzsystem NGP mit dem hauseigenen VLA-2.0-Modell ab 2027 international ausgerollt werden.

Analysten bleiben trotz der schwachen Kursentwicklung optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 22,08 US-Dollar — das entspräche einem Kurspotenzial von rund 83 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Die Wall Street setzt damit weiterhin auf die mittelfristige Wachstums- und KI-Story, auch wenn das kurzfristige Auslieferungsmomentum nachgelassen hat.

Bärisches Szenario: Schwächere Nachfrage und Margendruck

Das negative Szenario dreht sich um den Rückgang der Auslieferungen von Juni auf Juli und was er über die Nachfrage aussagt. Trotz des leichten Plus im Jahresvergleich stellt sich die Frage, ob XPengs Produktzyklus im heimischen Markt inmitten des andauernden Preiskriegs bei E-Autos an Schwung verliert.

Die Zahlen aus dem ersten Quartal zeigen die Belastung bereits deutlich. Der Umsatz lag bei 13,03 Milliarden Renminbi, umgerechnet 1,89 Milliarden US-Dollar. Das war ein Rückgang von 17,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von 41,4 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2025. Die Auslieferungen im ersten Quartal sanken sogar um 33,3 Prozent gegenüber den 94.008 Fahrzeugen im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Bestätigt der Bericht am Montag ein sich verlangsamendes Wachstum ohne kompensierende Margenfortschritte, drohen weitere Kursverluste. Die Aktie notiert bereits 7,4 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt, der RSI steht bei neutralen 42 Punkten. Ein erneuter Test oder Bruch des Augusttiefs von 9,99 Euro wäre dann ein realistisches Szenario.

Ausblick: Montag als nächster echter Katalysator

Der kurzfristige Kursverlauf hängt maßgeblich vom Bericht am Montag ab. Wachsen Brutto- und Fahrzeugmarge in ähnlichem Tempo wie im ersten Quartal weiter, könnte der Markt das schwächere Auslieferungswachstum als vorübergehenden Kompromiss zugunsten der Profitabilität werten. Das würde eine Erholung Richtung 50-Tage-Durchschnitt bei rund 11,14 Euro stützen.

Enttäuscht die Marge oder signalisiert das Management weitere Schwäche für das dritte Quartal, wird ein Rückgang Richtung oder unter das Jahrestief wahrscheinlicher. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 38 Prozent sind scharfe Bewegungen in beide Richtungen möglich, sobald die Zahlen vor US-Börsenöffnung am 24. August vorliegen. Entscheidend dürfte dabei sein, was das Management zur Auftragslage im dritten Quartal und zur Cashflow-Entwicklung sagt — beide Aussagen werden die Stimmung bis ins vierte Quartal prägen.