Ein Rückruf von 264.842 Fahrzeugen klingt nach einer Randnotiz im Getöse der vergangenen Woche. Doch gerade diese Zahl erzählt viel darüber, unter welchem Druck Chinas Elektroautobauer inzwischen stehen.
Die chinesische Marktaufsicht SAMR erklärte am 21. August, Tesla und acht weitere Hersteller, darunter XPeng, seien Teil einer Rekord-Rückrufkampagne wegen Problemen mit der Notentriegelung von Türen. Für XPeng bedeutet das laut Reuters einen Rückruf von genau jener Stückzahl – fast dreimal so viel wie die 103.295 Fahrzeuge, die das Unternehmen im zweiten Quartal insgesamt auslieferte.
Man kann das als technisches Detail abtun. Man kann es aber auch als Symptom lesen: Ein Markt, der jahrelang auf Tempo getrimmt wurde, holt jetzt Qualitätsfragen nach. Wer so schnell wächst wie die chinesische EV-Branche, produziert eben auch schnell Fehler – und die Aufsichtsbehörden lassen das nicht mehr durchgehen wie noch vor wenigen Jahren.
Ein Quartal mit zwei Gesichtern
Die Rückrufaktion trifft XPeng in einer ohnehin heiklen Phase. Das Unternehmen wies für das zweite Quartal einen Umsatz von 19,74 Milliarden Renminbi und eine Bruttomarge von 20,7 Prozent aus – Zahlen, die für sich genommen nicht schlecht aussehen. Unter dem Strich blieb dennoch ein Nettoverlust von 1,34 Milliarden Renminbi.
Und die Prognose für das dritte Quartal, ein Umsatzkorridor von 21,7 bis 23,4 Milliarden Renminbi, blieb hinter den Erwartungen zurück. Reuters machte diese schwächere Guidance vor Kurzem als Hauptgrund für den Kursrutsch aus – der verschärfte Wettbewerb unter Chinas E-Autobauern lässt offenbar selbst etablierten Playern wie XPeng die Margen schmelzen.
Am Kapitalmarkt kam das entsprechend an. Die Aktie notiert am Freitag bei 9,96 Euro, nur gut fünf Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief und rund 59 Prozent unter dem Hoch vom vergangenen November.
Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 45 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sind es 47 Prozent. Das ist keine Momentaufnahme einer schlechten Woche, sondern ein Abwärtstrend, der sich seit Monaten festgesetzt hat – auch der 200-Tage-Durchschnitt liegt noch gut 31 Prozent über dem aktuellen Kurs.
Die Robotik-Wette als Ausweichmanöver
Interessant ist, wohin XPeng in dieser Lage sein Kapital lenkt. Die Robotik-Sparte des Unternehmens sammelte in ihrer ersten Finanzierungsrunde über 900 Millionen US-Dollar ein und wird damit auf mehr als 6,3 Milliarden Dollar taxiert.
Angeführt wurde die Runde von IDG Capital, mit Tencent und Alibaba als strategischen Investoren im Rücken – prominente Namen, die zeigen, dass die Wette auf humanoide Roboter und autonome Systeme in China durchaus ernst genommen wird.
Das wirft eine Frage auf, die über XPeng hinausreicht: Verlagert sich hier bereits das eigentliche Wachstumsversprechen vom Auto zur Maschine? Für ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft gerade mit Rückrufen, Lieferengpässen und schrumpfenden Margen kämpft, ist eine milliardenschwere Nebenwette auf Robotik zumindest ein bemerkenswertes strategisches Signal. Ob sie das Stammgeschäft entlastet oder nur Kapital und Aufmerksamkeit abzieht, wird sich erst zeigen.
Der Rückruf selbst dürfte operativ verkraftbar sein – Rückrufe wegen Notentriegelungen sind in der Branche derzeit keine Seltenheit, wie die breite Beteiligung von Tesla und weiteren acht Herstellern zeigt.
Strukturell bleibt aber die Kernfrage bestehen: Chinas E-Auto-Markt ist von einem Wachstumswettlauf zu einem Verdrängungswettbewerb geworden, in dem Qualitätsprobleme, Preisdruck und schwächere Prognosen zusammenfallen.
XPeng steht dabei exemplarisch für viele seiner Wettbewerber – mit dem Unterschied, dass das Unternehmen mit der Robotik-Sparte zumindest schon einen zweiten Trumpf im Ärmel hat, auf den es sich in schwierigen Quartalen stützen kann.
XPeng-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue XPeng-Analyse vom 30. August liefert die Antwort:
Die neusten XPeng-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für XPeng-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 30. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
XPeng: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

