XPeng verliert seinen australischen Vertriebspartner mitten in einer heiklen Wachstumsphase. Statt sich zurückzuziehen, übernimmt der chinesische E-Auto-Hersteller das Geschäft nun selbst. Die Aktie reagiert am Mittwoch mit einem Plus von 3,40 Prozent auf 11,56 Euro.

Distributor rutscht in die Insolvenzverwaltung

True EV baute den australischen Markt für XPeng auf. Der Distributor errichtete das lokale Händlernetz, organisierte Service und Kundenbetreuung und startete 2024 die ersten Auslieferungen. Nach knapp zwei Jahren ist damit Schluss: Das Unternehmen ist in die Insolvenzverwaltung gerutscht.

Der Bruch kam nicht überraschend. Bereits Anfang 2025 zerstritten sich beide Seiten über das künftige Vertriebsmodell. Der Konflikt landete vor dem australischen Bundesgericht. Im Oktober soll der Fall verhandelt werden.

XPeng übernimmt die Kontrolle selbst

XPeng zieht sich aus Australien nicht zurück. Im Gegenteil: Der Konzern lässt eine eigene Landesgesellschaft die Importe, den Vertrieb, das Händlernetz sowie Ersatzteile und Kundenservice übernehmen. Das bestätigte True EV in einer Mitteilung.

Erst kürzlich hatte XPeng in Melbourne einen Fünf-Jahres-Expansionsplan vorgestellt. Aktuell verkauft der Hersteller in Australien nur ein einziges Modell, den G6. Das soll sich rasch ändern.

Bis Jahresende will XPeng fünf neue Modelle auf den australischen Markt bringen. Dazu zählen der siebensitzige Flaggschiff-SUV X9 und die günstige Limousine Mona M03. Der Rechtslenker-Wagen Mona L03 kommt im vierten Quartal 2026, begleitet vom neuen G6-Modelljahrgang und zwei noch unbenannten Fahrzeugen. Insgesamt plant XPeng fünf neue Modelle für Australien und Neuseeland innerhalb von sechs Monaten – im gleichen Tempo wie auf dem chinesischen Heimatmarkt.

Ein bekanntes Muster bei chinesischen Autobauern

Der Fall erinnert an eine ähnliche Episode bei BYD. Auch dieser Hersteller musste nach Problemen mit seinem früheren Partner EVDirect umsteuern und setzt seither auf verlässlichere Kooperationen. Für chinesische E-Auto-Hersteller zeichnet sich damit ein Muster ab: Direkte Kontrolle über den Vertrieb scheint sich beim Markteintritt in unbekanntes Terrain als robuster zu erweisen als externe Partnerschaften.

Trotz des Rechtsstreits hält XPeng an seinen globalen Ambitionen fest. Der Konzern verweist auf weltweit mehr als eine Million verkaufte Fahrzeuge. Manager Brian Gu betont, man bringe nach Australien nicht nur Elektroautos, sondern das komplette physische KI-Ökosystem des Unternehmens.

Aktie sucht nach Stabilität

Der aktuelle Kursanstieg fällt in eine schwierige Phase für das Papier. Zum 52-Wochen-Tief von 10,18 Euro aus Ende Juni beträgt der Abstand nun 13,56 Prozent – ein erstes Lebenszeichen nach monatelangem Abwärtsdruck. Zum bisherigen Jahreshoch von 24,40 Euro aus dem November 2025 klafft jedoch weiterhin eine Lücke von 52,62 Prozent.

Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 35,96 Prozent im Minus. Der RSI von 48,3 signalisiert eine neutrale technische Verfassung nach der jüngsten Erholung – weder überkauft noch überverkauft.

Wie schnell XPeng das australische Geschäft unter eigener Regie stabilisieren kann, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen. Der Fünf-Modelle-Rollout läuft parallel zum Gerichtsverfahren im Oktober – zwei Baustellen, die der Konzern gleichzeitig managen muss.