Ripple hat einen regulatorischen Meilenstein erreicht: Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA hat Ripple Payments Europe am 17. Juli 2026 in ihr MiCA-Register aufgenommen. Damit darf die Ripple-Tochtergesellschaft künftig in 29 EU-Ländern regulierte Krypto-Dienstleistungen anbieten. Die Genehmigung ergänzt die bereits bestehende Luxemburger CASP- und E-Geld-Lizenz von Ripple sowie die britische FCA-Zulassung. Insgesamt zählt das MiCA-Register nach der Aktualisierung 294 zugelassene Kryptodienstleister, nachdem die ESMA binnen drei Wochen nach Ablauf der MiCA-Übergangsfrist 51 neue Genehmigungen erteilt hat.
Neben Ripple erhielten auch Bison Bank, die Hrvatska poštanska banka und die Kaiser Partner Privatbank ihre Aufnahme ins Register. Der Zahlungsdienstleister BitPay sicherte sich parallel eine MiCA-Zulassung bei der niederländischen Aufsicht. Gleichzeitig warnte die Vorsitzende der neuen EU-Geldwäschebehörde AMLA, Bruna Szego, vor Belastungen durch die Kundenmigration im Zuge der MiCA-Umstellung.
Institutionelles Interesse wächst trotz regulatorischer Zurückhaltung
Die MiCA-Nachricht fällt in eine Phase, in der institutionelle Anbieter ihr Engagement in XRP ausbauen. Der Vermögensverwalter T. Rowe Price, der nach eigenen Angaben 1,89 Billionen US-Dollar an Kundenvermögen verwaltet, brachte am 16. Juli 2026 mit TKNZ den ersten aktiv gemanagten Multi-Token-Spot-ETF an der NYSE Arca an den Markt. XRP ist mit einem Anfangsgewicht von 9,37 Prozent die drittgrößte Position hinter Bitcoin (40,75 Prozent) und Ethereum (18,42 Prozent). Die Gebühr liegt zunächst bei 0,75 Prozent und steigt ab Mai 2027 auf 0,90 Prozent. Das verwaltete Vermögen des neuen Fonds beläuft sich bislang auf rund 15 Millionen US-Dollar, als Verwahrer fungiert Anchorage Digital.
Auch die bestehenden XRP-Spot-ETFs verzeichneten zuletzt Zuflüsse: Am 17. Juli flossen 6,78 Millionen US-Dollar in die Produkte, kumuliert summieren sich die Zuflüsse auf 1,49 Milliarden US-Dollar. Analysten von AInvest dämpften jedoch die Euphorie über die MiCA-Zulassung: Die tatsächliche Nachfrage nach XRP hänge an der realen Nutzung des XRP Ledger für Abwicklungen und werde nicht automatisch durch regulatorische Fortschritte gehoben. Zudem benötige Ripples Stablecoin RLUSD noch eine eigenständige EU-Zulassung.
Kurs verharrt in der Nähe des Jahrestiefs
Von der positiven Regulierungsnachricht hat sich der XRP-Kurs bislang nicht spürbar gelöst. Aktuell notiert die Kryptowährung bei 1,09 US-Dollar und liegt damit nur 7,61 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 1,01 US-Dollar, das am 26. Juni 2026 markiert wurde. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 8,15 Prozent zu Buche, der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 1,14 US-Dollar beträgt derzeit minus 4,10 Prozent.
Charttechnisch bewegt sich XRP in einem absteigenden Keilmuster mit Widerstand im Bereich von 1,12 bis 1,18 US-Dollar. Ein Ausbruch darüber könnte laut mehreren Marktbeobachtern einen Anstieg von bis zu 50 Prozent auf rund 1,60 US-Dollar auslösen, während die Unterstützung bei 1,05 US-Dollar als entscheidende Verteidigungslinie gilt. Historisch hat XRP in den vergangenen sieben Jahren noch nie ein drittes Quartal negativ abgeschlossen.
Belastend wirkt derweil die politische Unsicherheit in den USA: Die Wahrscheinlichkeit für eine Verabschiedung des CLARITY Act, der als zentraler Baustein einer klaren Krypto-Regulierung gilt, ist wegen eines Ethikstreits von 74 auf 32 Prozent gefallen. Standard Chartered senkte daraufhin sein Jahresendziel für XRP auf 2,80 US-Dollar. Der Analyst Javon Marks sieht dagegen auf Basis eines Musters aus dem Jahr 2017 langfristig sogar ein Kursziel von 15 US-Dollar als möglich. Auch Berichte über anhaltende Verkäufe aus Südkorea, wo Marktteilnehmer über den Zeitraum von fast einem Jahr XRP im Volumen von bis zu 5 Milliarden US-Dollar veräußert haben sollen, dämpfen kurzfristig die Stimmung. Für Anleger bleibt die Kombination aus regulatorischem Rückenwind und technischer Schwäche vorerst ein Spannungsfeld, das sich erst mit einem klaren Ausbruch aus der aktuellen Handelsspanne auflösen dürfte.
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