Ripple sammelt an einem einzigen Tag drei Nachrichten ein, die für sich genommen schon Schlagzeilen wert wären. Hongkong öffnet den Privatanleger-Handel für XRP. Mastercard und JPMorgan werden neue Partner. Und der Kurs? Der fällt trotzdem.
Diese Diskrepanz zwischen fundamentaler Nachrichtenlage und Kursreaktion ist der eigentliche Kern der Geschichte an diesem Mittwoch.
Hongkong macht XRP retail-fähig
OSL Digital Securities hat am 29. Juli offiziell den Retail-Handel mit XRP in Hongkong gestartet. Die Tochter der börsennotierten OSL Group ist damit die erste Plattform, die von der dortigen Wertpapieraufsicht SFC eine Lizenz für den direkten Spot-Zugang zu XRP für Privatanleger erhalten hat. Handelbar sind ab sofort die Paare XRP/USD und XRP/HKD.
Bislang durften nur professionelle Investoren über OSL auf XRP zugreifen. Das war Ende 2025 der Fall. Der Schritt zum freien Retail-Zugang in einem der wichtigsten Finanzzentren der Welt ändert das grundlegend.
OSL bringt dafür einiges an regulatorischem Gewicht mit. Die Plattform hält sowohl Type-1- als auch Type-7-Lizenzen der SFC und sichert Kundenvermögen mit einer Versicherung über eine Milliarde US-Dollar ab. Damit zählt OSL zu den wenigen vollständig lizenzierten Anlaufstellen für Kryptowährungen in der Region.
Mastercard, JPMorgan und ein Deal mit Notabene
Parallel zur Hongkong-Nachricht bestätigte Ripple in der letzten Juliwoche neue strategische Partnerschaften mit Mastercard und JPMorgan. Beide Kooperationen sollen Ripples Blockchain-Infrastruktur in bestehende Systeme für grenzüberschreitende Zahlungen einbinden.
Einen Tag zuvor, am 28. Juli, hatte Ripple bereits eine strategische Investition in Notabene angekündigt. Ziel ist die Integration des eigenen Stablecoins RLUSD in die B2B-Zahlungsplattform Notabene Flow, die jährlich ein Transaktionsvolumen von über zwei Billionen Dollar abwickelt. Im Fokus steht die Einhaltung der sogenannten Travel-Rule-Vorschriften sowie automatisiertes Rechnungswesen für institutionelle Kunden.
Netzwerk wächst, Sicherheit wird nachgeschärft
Auch technisch tut sich etwas im XRP-Ledger. Die Zahl der aktiven Wallets mit Guthaben hat erstmals die Marke von 8 Millionen überschritten. Am 28. Juli aktivierten die Validatoren zudem das Amendment fixCleanup3_2_0 mit einer Zustimmung von 85,71 Prozent. Es härtet die Sicherheit für Single Asset Vaults, das Lending-Protokoll und die genehmigungspflichtige dezentrale Börse ab.
In Südkorea baut Upbit, einer der weltweit größten XRP-Verwahrer mit mehr als 6,4 Milliarden gehaltenen Token, seine Infrastruktur aus. Die Börse hat Ein- und Auszahlungen von RLUSD direkt auf dem XRP-Ledger integriert.
Kurs bleibt unter Druck
Trotz der Nachrichtenflut notiert XRP aktuell bei 1,08 US-Dollar und liegt damit 3 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,11 Dollar. Auf Wochensicht steht ein Minus von 5,68 Prozent zu Buche. Der breitere Markt wartet auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Nachmittag des 29. Juli — entsprechend zurückhaltend agieren viele Anleger.
Im Derivatemarkt zeigt sich erhöhte Nervosität. Das offene Interesse bei XRP-Futures liegt bei 2,43 Milliarden Dollar, der Terminumsatz übersteigt das Spot-Volumen um fast das Siebenfache. Diese Konstellation begünstigt kurzfristig stärkere Kursausschläge in beide Richtungen.
Am Rand des Geschehens meldete Grayscale-CEO Peter Mintzberg in einem SEC-Formular vom 28. Juli den geplanten Verkauf von 2.611 Anteilen am Grayscale XRP Trust ETF. Die gesamten Nettovermögen aller US-Spot-XRP-ETFs belaufen sich derzeit auf rund 999 Millionen Dollar.
Die Fed-Entscheidung am Nachmittag dürfte kurzfristig die Richtung vorgeben. Für XRP hängt dabei viel davon ab, ob der Kurs die Marke von 1,01 Dollar — das 52-Wochen-Tief vom 26. Juni — als Unterstützung behauptet.
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