Liebe Börsenfreundinnen und Börsenfreunde,

an der Börse reicht ein starker Umsatz gerade nicht mehr. Zalando, Fresenius Medical Care, Apple und Palantir haben beim Umsatz die Erwartungen übertroffen und verlieren trotzdem. Entscheidend ist in allen vier Fällen der Ausblick auf die Profitabilität, nicht das abgelaufene Quartal.

Dazu kommt der Wahltag in den USA. Große Adressen halten sich vor dem Ergebnis der US-Kongresswahlen zurück, und der DAX scheitert erneut an der Marke von 26.000 Punkten. Die Mehrheit schaut darauf, wer wächst. Die bessere Frage ist, wer daran verdient.

Zalando: Der Kunde kostet, die Händler zahlen

Zalando wächst, verdient am eigenen Kunden aber weniger als erhofft. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 5,1 Prozent, das operative Ergebnis ohne Sondereffekte sogar um 10,6 Prozent. Wo ist der Haken? In der Bruttomarge, dem Anteil vom Umsatz, der nach den Kosten der Ware übrig bleibt. Sie verfehlte die Erwartungen von Jefferies und JPMorgan, weil Marketing und Kundeninvestitionen das Endkundengeschäft belasten.

Ganz anders läuft das Geschäft mit Logistik und Software für andere Händler. Es hat sein Ergebnis mehr als verdoppelt. Die Zalando-Aktie fällt dennoch gut 6 Prozent und steht wieder exakt auf dem Niveau vom Jahresanfang. Die Deutsche Bank bleibt bei „Buy“ mit Kursziel 35 Euro.

Bleibt die Zukunft. Mit „Zalando Extended“ plant Zalando einen KI-Einkaufsagenten, der über mehrere Plattformen hinweg einkauft; pilotiert wird mit Westwing, Start ist 2027. JPMorgan sieht im Wettbewerb um solche automatisierten Einkaufshelfer ein strukturelles Risiko für Zalandos Position. Wer jetzt kauft, wettet darauf, dass die Margenschwäche ein Investitionseffekt bleibt und kein Vorbote eines neuen Preiskampfs.

Fresenius Medical Care und Lufthansa: Gleiche Nachricht, andere Reaktion

Fresenius Medical Care hat die Jahresziele gedämpft und wird dafür bestraft. Das bereinigte operative Ergebnis soll 2026 ohne Währungseffekte nur noch stabil bleiben oder im mittleren einstelligen Prozentbereich sinken. In den USA schrumpfte die Zahl der Behandlungen organisch, also ohne Zukäufe, um 1,1 Prozent, während Wettbewerber DaVita leicht wuchs. Für 2027 drohen zudem Belastungen aus geänderten US-Erstattungsregeln.

UBS bleibt bei „Sell“ mit Kursziel 36 Euro und rät damit zum Verkauf. Die Aktie von Fresenius Medical Care verliert rund 4 Prozent und nähert sich ihrem Tief vom Mai. Und der Aktienrückkauf? Er läuft weiter, konnte den Kurs heute aber nicht halten.

Lufthansa hat ebenfalls ihre Gewinnprognose gesenkt, die Aktie gewinnt trotzdem rund 4 Prozent. Das dritte Quartal lag über den Erwartungen, und die Senkung kappt nur das obere Ende der Spanne. Das ist die Lehre des Tages. Gefährlich ist eine Prognosesenkung, wenn sie das Kerngeschäft betrifft, nicht wenn sie nur Optimismus zurücknimmt.

Apple und Palantir: Rekorde ohne Applaus

Apple hat in der Nacht zum Dienstag die ersten Zahlen unter dem neuen Chef John Ternus vorgelegt. Der Umsatz stieg um 12 Prozent, das iPhone brachte so viel Umsatz wie nie. Nur das Geschäft in China verfehlte die Schätzungen. Trotzdem notiert die Apple-Aktie gut 2 Prozent tiefer.

Der eigentliche Dämpfer steckt im Ausblick. Die Bruttomarge für das Weihnachtsquartal soll nur noch 45 bis 46 Prozent erreichen, weniger als zuletzt und weniger als am Markt erwartet. Grund sind die Einkaufspreise für Speicher, die Ternus als beispiellos bezeichnet. JPMorgan und Morgan Stanley senken ihre Kursziele.

Bei Palantir zeigt sich dasselbe Muster. Der Umsatz wuchs um 96 Prozent, der Gesamtwert neuer Verträge dagegen nur um 6 Prozent. Warum fällt eine Aktie, deren Umsatz sich nahezu verdoppelt? Weil die Neubuchungen nicht mehr mithalten, und auch der Auftragsbestand kommt nicht vom Fleck.

Die Analysten sind sich bei Palantir uneins. Citi hebt das Kursziel, Jefferies bleibt bei „Underperform“ und erwartet damit, dass die Aktie schlechter läuft als der Markt. Bei hoch bewerteten Techwerten handelt die Börse inzwischen das nächste Quartal, nicht das vergangene.

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Wie sich Margenentwicklung und Auftragsbestand bei Rüstungswerten lesen lassen, zeigt Carsten Müller im Live-Webinar „Rüstungs-Double-Header“. Während bei Zalando, Apple und Palantir schon kleine Abweichungen bei Marge oder Auftragseingang für Kursverluste sorgen, wirft er einen Blick auf zwei Titel, bei denen die Zahlen bislang anders interpretiert werden: Rheinmetall und Renk. Rheinmetall kommt demnach auf einen Auftragsbestand von über 80 Milliarden Euro und eine operative Marge von zuletzt 17,1 Prozent, bei Renk stehen Rekordaufträge von 7,4 Milliarden Euro einer Marktkapitalisierung gegenüber, die nur gut halb so hoch ist. Müller ordnet morgen die druckfrischen Zahlen beider Unternehmen ein und erläutert, welche Rolle Vorstandskäufe und Analystenbewertungen dabei spielen. Das Webinar findet morgen um 18:00 Uhr statt. Jetzt Platz im Webinar „Rüstungs-Double-Header“ sichern

Wahltag: Was die Profis erwarten

Vor dem Ergebnis der Kongresswahlen rechnen die Märkte mit mehr Unruhe als sonst. Am Optionsmarkt, wo Anleger sich gegen Kursschwankungen absichern, ist für Mittwoch eine Bewegung des S&P 500 von rund 0,8 Prozent eingepreist, mehr als im Monatsschnitt.

Stifel erwartet bei geteilter Regierung eine Erleichterungsrallye in bislang belasteten Branchen. PIMCO warnt vor Risiken für Betreiber von KI-Rechenzentren, weil Gouverneurskandidaten Baustopps fordern.

Wie sicher ist der Ausgang? Die Prognosemärkte Kalshi und Polymarket sehen einen Sieg der Demokraten in beiden Kammern bei rund 75 Prozent. UBS Wealth Management taxiert dieselbe Wahrscheinlichkeit nur auf 50 Prozent. Wer sich auf die Wettquoten verlässt, sollte diese Lücke im Hinterkopf behalten.

Bei Bitcoin ist die Wahl eher ein taktischer Anlass als ein Richtungsgeber. Die Kryptowährung notiert bei rund 77.700 Dollar und damit leicht im Plus, während Anleger zuletzt Geld aus US-Bitcoin-ETFs abgezogen haben. In 24 Stunden wurden kreditfinanzierte Positionen zwangsweise aufgelöst, 81 Prozent davon Wetten auf steigende Kurse. Wer Bitcoin als Wahlabsicherung nutzt, handelt derzeit gegen die eigenen Terminmärkte.

Was jetzt zählt

Mittwochfrüh entscheidet das Wahlergebnis, ob Geld in bislang belastete Branchen zurückfließt oder der Dollar nachgibt. Am Donnerstag folgt die Bank of England, die ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,0 Prozent erhöhen dürfte. Ein Basispunkt ist ein Hundertstel Prozentpunkt.

Für die Berichtssaison gilt eine einfache Regel. Wer Aktien vor anstehenden Zahlen hält, sollte vor allem die Margenprognose lesen, denn genau dort entscheidet sich die Kursreaktion. Und nicht jede Prognosesenkung ist ein Grund zur Sorge, wie Lufthansa zeigt.

Viele Grüße vom Treff, Ihr Andreas Sommer