Die erhoffte Erholung der deutschen Wirtschaft verliert an Kraft. Anhaltend hohe Energiepreise belasten Konsumfreude und Investitionen spürbar, weshalb die ZEW-Konjunkturerwartungen im Oktober deutlicher als erwartet nachgegeben haben. Der Aufschwung kommt damit vorerst nicht aus eigener Kraft voran.
Der Indikator für die wirtschaftliche Zuversicht sank im Oktober um 6,6 Zähler auf 28,1 Punkte. Volkswirte hatten im Vorfeld mit einem moderateren Rückgang auf 30,0 bis 30,2 Punkte gerechnet. Zuvor war das Stimmungsbarometer fünf Monate in Folge gestiegen.
Energiepreise drücken auf Konsum und Investitionen
Die Ursachen für den Dämpfer liegen vor allem in den anhaltenden Kostenbelastungen. ZEW-Präsident Achim Wambach betonte, dass die Wirtschaft zwar langsam aus der Stagnation herauskomme, sich der Aufschwung aber noch nicht selbst trage. Teure Energie setze die Realeinkommen unter Druck, verteuere die Produktion in den Betrieben und halte die Teuerung länger auf erhöhtem Niveau.
Vor dem Iran-Krieg lag der Erwartungsindex noch bei plus 58,3 Punkten, ehe er monatelang in den negativen Bereich abtauchte. Die jüngste Bewegung markiert nun den ersten Rücksetzer nach einer fünfmonatigen Erholungsphase.
Industrie zeigt Lichtblicke, Dienstleister schwächeln
Zum Start des vierten Quartals zeigt sich die deutsche Wirtschaft zweigeteilt. Während Banken und Versicherungen spürbare Einbußen verzeichnen, melden auch Telekommunikation und Dienstleistungssektor Rückgänge. Positive Signale kommen indessen aus der Industrie: Sowohl die Elektronikbranche als auch die Stahl- und Metallverarbeitung verzeichneten zuletzt eine Aufhellung.
Ein Hoffnungsschimmer bleibt der Blick auf die Ist-Situation: Die Bewertung der aktuellen Lage verbesserte sich im Oktober deutlich um 11,2 Punkte auf minus 35,9 Zähler. Damit fiel das Urteil der befragten Finanzexperten spürbar besser aus als die zuvor prognostizierten minus 44,5 Punkte.
Trotz der aufgehellten Lagebewertung mahnen die schwächeren Erwartungen zur Vorsicht: Solange die Energiekosten die Binnennachfrage dämpfen, bleibt das Fundament für ein nachhaltiges Wachstum der deutschen Wirtschaft fragil.


