Zoetis kommt an der Börse nicht zur Ruhe. Der Tiermedizin-Konzern rutschte am Freitag auf 62,84 Euro und verlor damit 6,29 Prozent an einem einzigen Handelstag. Damit liegt die Aktie nur noch 0,87 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 62,30 Euro, das erst wenige Tage zuvor markiert wurde. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 66,85 Euro beträgt der Abstand knapp sechs Prozent – ein Papier, das seit seinem Jahreshoch im August 2025 mehr als die Hälfte seines Wertes verloren hat.
Wall Street sieht zu viel Unsicherheit
Am Donnerstag reagierten zwei weitere Analysehäuser mit deutlichen Kurszielsenkungen. Morgan Stanley strich sein Kursziel von 99 auf 85 Dollar. William Blair ging noch weiter und stufte Zoetis von „Outperform“ auf „Market Perform“ zurück – die Begründung lautete schlicht „zu viel Unsicherheit“. Weitere Häuser hatten in der gleichen Woche ihre Kursziele bereits auf eine Spanne zwischen 80 und rund 115 Dollar gesenkt, ohne von ihrer grundsätzlichen Einstufung abzurücken. Die Unsicherheit, von der William Blair spricht, hat mehrere Gesichter: Neben schwächerer Nachfrage bei Heimtierprodukten belastet auch eine Sammelklage das Sentiment, deren Frist für Hauptkläger vor rund zwei Wochen abgelaufen ist – die Aktie hat seither weitere 7,1 Prozent verloren. Klägeranwälte werfen dem Unternehmen vor, FDA-Sicherheitswarnungen zu Librela sowie den Marktanteilsverlust von Simparica Trio gegenüber günstigeren Konkurrenzprodukten verschleiert zu haben.
Wachstumsfelder trotz Gegenwind
Abseits der Kernprobleme im US-Heimtiergeschäft zeigt Zoetis durchaus Wachstum. Das Livestock-Segment legte operativ um 11 Prozent zu, getrieben von breiter Nachfrage bei Rindern und Geflügel – unter anderem durch erhöhten Bedarf an Dectomax im Zusammenhang mit dem Auftreten der neuen Welt-Schraubenwurmfliege. Die Sparte Companion Animal Diagnostics wuchs sogar um 12 Prozent, getragen von Produkten wie Vetscan Imagyst und OptiCell sowie der zuletzt übernommenen Teleradiologie-Plattform VitalRADS – jener Zukauf, der vor rund einem Monat verkündet wurde und seither von einem Kursrückgang von 3,1 Prozent begleitet wird. Im Vereinigten Königreich erhielt Zoetis zudem die Zulassung für Lenivia, einen langwirksamen monoklonalen Antikörper gegen Arthroseschmerzen bei Hunden. Parallel verfolgt der Konzern weiterhin die geplante Übernahme des Tiergenomik-Geschäfts von Neogen, die für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen ist.
Aktienrückkäufe zu fallenden Kursen
Auch bei den eigenen Aktien bleibt Zoetis aktiv. Vom im August 2024 beschlossenen Rückkaufprogramm über 6 Milliarden Dollar sind laut Quartalsbericht noch 1,3 Milliarden Dollar an Volumen offen. Im zweiten Quartal 2026 kaufte der Konzern gut 6,2 Millionen Aktien zurück – im April noch zu einem Durchschnittskurs von 117,95 Dollar, im Mai zu 84,21 Dollar und im Juni bereits zu 79,18 Dollar. Der fallende Durchschnittspreis zeigt, wie stark sich die Aktie binnen eines Quartals verbilligt hat, während das Management am Rückkauftempo festhielt.
Führungswechsel und Ausblick
Auf der Personalseite steht der nächste Schritt bereits fest: Jay Saccaro übernimmt am 17. August die Doppelrolle als Chief Financial Officer und Chief Operating Officer. Der bisherige Finanzchef Wetteny Joseph wechselt danach als Berater des CEO für Finanzthemen bis Anfang 2027. Saccaro war zuletzt Finanzchef bei GE HealthCare. An der Dividendenpolitik ändert sich derweil nichts: Am 1. September zahlt Zoetis wie angekündigt 0,53 Dollar pro Aktie an die am 20. Juli im Aktienregister erfassten Anteilseigner.
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