Das Ende der Zollprivilegien zeigt im deutschen Onlinehandel unmittelbare Wirkung. Die Umsätze der asiatischen Plattformen Shein, Temu und AliExpress brachen im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35,5 Prozent auf 566 Millionen Euro ein. Ihr gemeinsamer Marktanteil in Deutschland sank parallel dazu von 5,3 Prozent im Vorquartal auf 3,1 Prozent. Das bisher ungebremste Wachstum der Billiganbieter ist damit abrupt gestoppt.
Feste Gebühren belasten Niedrigpreise
Hauptursache für diesen Rückschlag ist der Wegfall der bisherigen Zollfreigrenze von 150 Euro im Juli dieses Jahres. Seitdem unterliegt jede Sendung aus Drittstaaten grundsätzlich der Zollpflicht. Für Kleinsendungen bis zu diesem Betrag wird eine Pauschale von 3 Euro je Warengruppe fällig.
Für Plattformen, deren Geschäftsmodell auf extrem günstigen Einzelartikeln basiert, wiegen diese Festbeträge schwer. Die zusätzlichen Abgaben verteuern margenschwache Produkte überproportional und schmälern den Preisvorteil gegenüber europäischen Händlern spürbar. Ab November erhöht sich dieser Kostendruck weiter, wenn eine zusätzliche pauschale Bearbeitungsgebühr von 2 Euro greift.
Gesamtmarkt profitiert kaum vom Rückzug
Die Schwäche der asiatischen Konkurrenz verhilft dem deutschen E-Commerce allerdings nicht automatisch zu neuem Schwung. Der Gesamtmarkt wuchs im dritten Quartal um lediglich 2,9 Prozent auf rund 18,5 Milliarden Euro. Damit blieb das Umsatzplus hinter der Inflationsrate zurück, die im September bei 3,3 Prozent lag. Belastet wird das Kaufverhalten vor allem durch anziehende Energiepreise und gedämpfte Einkommenserwartungen der Verbraucher.
Das Konsumverhalten zeigt sich dabei tief gespalten. Während Waren des täglichen Bedarfs wie Medikamente mit einem Plus von 15,4 Prozent und Drogerieartikel mit 14,3 Prozent zulegten, hielten sich Kunden bei langlebigen Konsumgütern zurück. Die Warengruppe Elektronik und Telekommunikation verzeichnete ein Minus von 4,6 Prozent, bei Möbeln und Dekoration gingen die Umsätze um 5,2 Prozent zurück.
Europäische Branchenvertreter drängen angesichts dieser Entwicklung auf weitere Schritte. Neben den neuen Zöllen fordern sie eine schärfere Marktüberwachung und die konsequente Durchsetzung bestehender Standards, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten. Mit der geplanten Einführung standardisierter Produkt-IDs und den Vorbereitungen für eine zentrale EU-Zollbehörde hat die Politik bereits weitere Weichen für die Regulierung des grenzüberschreitenden Onlinehandels gestellt.


