Liebe Börsenfreundinnen und Börsenfreunde,
in München haben heute rund 3.000 BMW-Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Am selben Tag hat der Konzern seine zweite Gewinnwarnung binnen fünf Monaten vorgelegt. Und die Aktie? Sie schloss am Abend rund 7,6 Prozent im Plus.
Die Erklärung liegt nicht im Wahlausgang in Washington. Sie liegt im Unterschied zwischen „schlecht“ und „schlechter als befürchtet“. Dazu kommen eine Tarifrunde, die BMW mitten im Umbau trifft, ein Baustopp-Ruf aus Texas und ein Bitcoin, der sich erholt, ohne wirklich zu überzeugen. Der DAX kam seinem Rekordhoch von Ende August zum Greifen nahe.
BMW: Null Marge als Plan
BMW erwartet im Autogeschäft für 2026 praktisch keinen Gewinn mehr. Die Marge, also der Anteil des Umsatzes, der als operativer Gewinn übrig bleibt, soll zwischen minus 0,5 und plus 0,5 Prozent liegen. Im Sommer hatte der Konzern noch deutlich mehr in Aussicht gestellt. Die Auslieferungen sollen unter dem Vorjahr liegen, in China ist der Absatz im dritten Quartal eingebrochen.
Warum dann der Kurssprung? Im dritten Quartal lag die Automarge bei 3,4 Prozent und damit über den 3,1 Prozent, die Analysten im Schnitt erwartet hatten. Darin steckt allerdings eine Einigung mit dem Zulieferer Aumovio. Ohne sie hätte die Marge deutlich niedriger gelegen.
Das eigentlich Teure kommt noch. Die Kosten für das Abfindungsprogramm verbucht BMW erst im vierten Quartal, und Vorstandschef Milan Nedeljković schließt für diesen Zeitraum einen Verlust nicht mehr aus. Langfristig hält er an einer Marge von 8 bis 10 Prozent Anfang der 2030er-Jahre fest.
JPMorgan senkt das Kursziel, bleibt aber positiv, andere Häuser sind vorsichtiger. Wer hier einsteigt, kauft nicht das Quartal. Er wettet darauf, dass das vierte Quartal den Tiefpunkt markiert und die „Neue Klasse“ die Marge ab 2027 wieder hebt.
Tarifrunde Metall: Streik mitten im Umbau
Während das BMW-Management über Abfindungen spricht, wird draußen gestreikt. Bundesweit legten über 100.000 Beschäftigte in Hunderten Betrieben die Arbeit nieder. Die IG Metall fordert 5 Prozent mehr Geld bei einem Jahr Laufzeit plus Jobsicherung. Die Arbeitgeber bieten eine verschiebbare Einmalzahlung und eine Erhöhung erst ab Juli 2028.
Gesamtmetall-Chef Oliver Zander hält mit düsteren Zahlen dagegen. Er warnt vor weiteren 300.000 verlorenen Stellen in zwei bis drei Jahren. Seit 2019 seien bereits 350.000 weggefallen.
Wie ernst die Lage ist, zeigt Schaeffler. Der Zulieferer hat gestern die Schließung in Dortmund angekündigt und will europaweit 3.460 Stellen streichen. Was heißt das für Anleger in deutschen Autowerten? Die Kostenbasis, die BMW und Schaeffler gerade senken wollen, wird in den nächsten Tagen am Verhandlungstisch mitentschieden. Die dritte Runde beginnt morgen in Baden-Württemberg und am Freitag im Tarifgebiet Mitte.
Rechenzentren: Wer baut, verliert
Szenenwechsel nach Texas, wo sich heute die Infrastrukturwerte neu sortiert haben. Die neue Gouverneurin Gina Hinojosa fordert einen sofortigen Baustopp für Rechenzentren. Laut Wells Fargo liegen dort 27 Prozent der geplanten US-Kapazität. Siemens Energy verlor im Verlauf 7,1 Prozent, auch Hochtief, Infineon und Aixtron gaben nach.
Ganz anders sieht es bei den großen Plattformen aus. Apple erreichte ein Rekordhoch und löste Nvidia als wertvollstes Unternehmen ab. Evercore ISI begründet das mit dem iPhone-Mix und dem Servicegeschäft. Amazon und Microsoft legten jeweils über 6 Prozent zu. Infrage steht offenbar nicht die KI-Nachfrage, sondern der Aufschlag für alle, die Turbinen, Hallen und Chips für einen ungebremsten Ausbau liefern.
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Bitcoin: Erholung ohne Überzeugung
Bitcoin stieg um 4 Prozent auf rund 80.500 Dollar, nachdem der Kurs nachts deutlich tiefer gefallen war. Dabei wurden Wetten auf fallende Kurse zwangsweise aufgelöst. Ist das schon die Wende? Eher nicht. Die Erholung läuft parallel zu den Aktienmärkten und ist eher ein technischer Rückprall als ein Stimmungswechsel.
Aufschlussreicher sind die Spot-ETFs, börsengehandelte Fonds, die Bitcoin direkt halten. Aus den US-Fonds flossen von Freitag bis Dienstag fast 1,2 Milliarden Dollar ab. Politisch wird es zudem schwerer: Das Gesetzesvorhaben CLARITY Act droht zu scheitern, wenn Elizabeth Warren den Bankenausschuss im Senat führt. Trumps Vetorecht dämpft diese Sorge etwas. Seit Jahresbeginn liegt Bitcoin rund 8 Prozent im Minus.
Was jetzt zählt
Die nächsten zwei Tage entscheiden mit, ob die deutsche Industrie einen teuren Tarifabschluss oder einen Streikwinter bekommt. Für BMW, Schaeffler und die Zulieferer wiegt das schwerer als jede Wahlnachricht. Bei BMW selbst richtet sich der Blick auf das vierte Quartal, in dem die Abfindungskosten anfallen.
Bei Siemens Energy und Hochtief werden Anleger erst klüger, wenn Texas konkrete Auflagen beschließt. Dann zeigt sich, ob der Markt überreagiert hat oder der Aufschlag dauerhaft schrumpft. Und beim Bitcoin zählt vor allem, ob die Abflüsse aus den Fonds stoppen, weniger, ob der Kongress einen Gesetzestext blockiert.
Viele Grüße vom Treff, Ihr Andreas Sommer
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