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Wenn 500 Menschen auf einmal reich werden wollen

Es wollen ja so viele Menschen reich werden. Nicht nur im Internet reihen sich die Online-Kurse aneinander, es gibt auch Live-Veranstaltungen. Ich war testweise und offen neugierig in Berlin auf einem Seminar zum reich werden namens Millionaire Mind Intensive. Was das jetzt wieder ist? Ja, das habe ich mich auch gefragt.

 

Und so mache ich mich morgens um 8 Uhr auf den Weg in ein großes Veranstaltungshotel. In einen Saal für 500 Menschen, die auch überwiegend kommen. Dort wo sonst Konzerte stattfinden, waren heute Menschen zusammengekommen, um Millionäre zu werden. Vorgefunden haben wir auch eine Show, die war ähnlich gut gemacht wie ein cooles Konzert und der Trainer Robert Riopel war tatsächlich sehr gut!

 

Reich werden – aber wie?

Viel um Energie, die wurde in der großen Gruppe mit Tanz, dem Runterbeten von Glaubenssätzen zum Thema Geld und viel amerikanischem „Give me five“ and „Your awesome“ sehr genau hochgesteuert und auch wieder – wenn nötig – runtergefahren. Davon konnte man sich mitreißen lassen oder den Mechanismus beobachten. Ich fand letzteres spannender. Ich muss auch zugeben, manchmal beängstigend. So werden Massen gesteuert. Und wir sollten hier auch gesteuert werden. Dazu später mehr. Dich interessiert vielleicht eher, wie der Weg für die angehenden Millionäre beschrieben wurde?

 

Ranking der reichsten Menschen der Welt 2018 – Top 5

 

Wie wird man Millionär?

Glaubenssätze, Glaubenssätze, Glaubenssätze. Wir haben wirklich viel in den drei Tagen gearbeitet, um unsere Vorstellungen zum Thema Geld zu überprüfen und alle negativen Gedanken und Gefühle zum Geld loszulassen. Dabei waren viele gute Übungen dabei, die bei mir und wohl auch bei vielen Anderen gut funktioniert haben.

Das Geldsystem zum reich werden wurde wie folgt vorgeschlagen: Verteile Deine Einkünfte gleichmässig in folgende Anteile: 10% für die Finanzielle Freiheit, 10% für langfristige Wünsche oder für die Tilgung von Schulden, 10% für Deine eigene Weiterbildung, 55% für die alltäglichen Ausgaben, 10% für die Extraschönen Ausgaben im Leben (Play-Money) und 5% für Spenden.

Sicherlich werden angehende Millionäre hier andere Herausforderungen sehen, als bereits finanziell freie Menschen. Aber ich hab schon auch eine gefunden. Ich bin noch nicht gut im Investieren in extraschöne Dinge im Leben. Und ausgerechnet dieser Pott soll möglichst im selben Monat oder zumindest in einem Quartal leer gemacht werden. Das werde ich mal genauer angehen.

 

Seminar zum reich werden – wie denn nun?

Gab es Tipps, wie man nun sein Geld sinnig vermehrt? Nur am Rande. Dazu soll man lieber die Aufbauseminare buchen (-;. Die Schwerpunkte liegen aber im Traden von Aktien – nach einem bestimmten System, was als relativ sicher verkauft wird. Bewegen sich die Aktien in die richtige Richtung, lässt man sie laufen. Tun sie es nicht, wird bereits nach einem Prozent verkauft. Und um das ganze noch zu toppen, wird nicht nur mit eigenem Geld gehandelt. Tatsächlich wäre ich neugierig, wieviele Teilnehmende des Trading Seminars wirklich damit anfangen und wie erfolgreich sie damit sind.

Erzählt wurde natürlich nur von den großen Erfolgen, wir befanden uns ja letztlich in einer Verkaufsshow. Versprochen wurden 30% Rendite. Der zweite Schwerpunkt liegt in der Gründung eines Unternehmens. Ganz klar ausgerichtet auf Profit und dem Fokus auf den Verkaufswert, wenn man das Unternehmen nach 5 Jahren wieder verkauft. Auch hierzu wird ein 5-tägiges Seminar angeboten, in dem man alles lernt, um ein erfolgreicher Unternehmer zu werden.

 

Niemals unter zeitlichem Druck kaufen!

Zum Finale wurden dann auch alle Seminare im Paket angeboten. Sie wurden dadurch nochmal deutlich billiger und lagen im nur heute geltenden Sonderpreis bei knapp 10.000 €. Tatsächlich habe ich auch einen Augenblick überlegt, ob ich das machen soll. Immerhin habe ich viel dazugelernt in den drei Tagen. Und mich würden jetzt 10.000 € nicht schocken. Unser Trainer gab uns als Denkaufgabe mit, darüber nachzudenken, warum wir so super Angebote nicht annehmen würden und dass wir bestimmt schon häufiger mit unserem Mindset an spannenden Angeboten vorbeigegangen sind.

Stimmt, bin ich! Ich kaufe nicht, wenn mich jemand zeitlich unter Druck setzt! Deshalb habe ich keine günstige Küche, die mir auf einer Messe angeboten wurde, ich habe keine Reise gebucht in die Türkei und ich habe auch keine Teppiche, die ich nur heute zum Sonderpreis bekomme.

Ich finde meine Regel, über eine Finanzentscheidung mindestens eine Nacht zu schlafen, sehr klug!

Und bin auch hier dabei geblieben.

 

Muss ich unendlich reich werden?

Das Seminar hat mir auch die Wurzeln meines Widerstandes gezeigt. Ich mag gar nicht unendlich reich werden! Wir mussten eine Liste machen, was wir alles tun würden und kaufen würden und haben würden, wenn wir unendlich reich sind. Ich habe mich bemüht und 7 Sachen gefunden. Nachdem ich nochmal drauf geschaut habe, ging mir auf, dass dies alles auch jetzt schon ging, vielleicht mit ein bisschen Aufwand – aber wirklich sehr erreichbar und nicht utopisch.

Beim gegenseitigen Vorstellen der Ziele ist mir aber auch aufgegangen, dass ich einfach ziemlich dröge bodenständig bin. Mein Austauschpartner hatte einen Koch, einen Schneider, einen Privathubschrauber und noch viele andere Sachen auf seiner Liste, weil er mit so viel Geld standesgemäss ja nicht mehr mit Sachen von der Stange rumlaufen können und sich auch nicht nur im Auto bewegen will. Auf so was wäre ich im Leben nicht gekommen – ich fahr auch jetzt am liebsten Fahrrad. Schön, wie unterschiedlich Vorstellungen sein können.

Dies ging mir genauso bei den Zahlen, die so aufgerufen wurden, die man gerne an passivem Einkommen hätte. Ich lag mit 60.000 € viel zu weit unten, andere wünschten sich 300.000 und 400.000 € pro Jahr. Was soll ich mit dem ganzen Geld? Der Trainer hat sicherlich Recht, wenn er sagt, Du wirst Dich für Dein Ziel nur anstrengen, wenn das Ziel wirklich erstrebenswert ist.

Da meine Ziele alle so schon ganz gut zu erreichen sind und weitere Ziele uninteressant sind, werde ich mich wohl nicht viel anstrengen. So fühlt sich das nach drei Tagen Seminar auch an. Und es fühlt sich übrigens gut an. Zwar habe ich vielleicht das Seminarziel nicht erreicht, das verspricht ja unendlichen Reichtum. Aber ich bin wieder ein Stück klarer. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Ihre Monika Reich

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