Die Trendfolge – ein Erfolgsrezept auch für 2021!?

Die Trendfolge
 

Es gibt zahlreiche Wege und Möglichkeiten, um am Kapitalmarkt Erfolg zu haben. Daher ist es durchaus von Vorteil, wenn ein Trader oder Investor mehrere Strategien kennt und anwenden kann. Denn je nach Markt- und Börsenlage funktionieren Tradingstrategien unterschiedlich gut. Darauf gehe ich hier näher ein.

Strategien im Wandel

In den letzten Jahren habe ich mich immer mehr weg von einer quasi Buy-and-hold-Strategie hin zu einer Trendfolge-Strategie fokussiert. In diesem Artikel möchte ich dir meine Erfahrungen dazu weitergeben und warum ein Marktteilnehmer bereits mit dieser einfache Methode erfolgreich an der Börse Geld verdienen kann.

Zunächst einmal kurz zur Erinnerung, wie die Trendfolge grundsätzlich funktioniert. Während viele Marktakteure bei einem Wertpapier versuchen möglichst an einem Tiefpunkt zu kaufen und am Hochpunkt zu verkaufen, wartet ein Trendfolger auf Trends. Das einfachste Merkmal, um Trends zu erkennen ist gemäß der Dow-Theorie nach aufsteigenden Bewegungstiefs und Bewegungshochs zu suchen. Hat man solch einen Ablauf gefunden, spricht man von einem Aufwärtstrend.

Auf der anderen Seite zeigen absteigende Bewegungshochs und Bewegungstiefs einen Abwärtstrend an, und damit sind wir auch schon bei einem weiteren Vorteil dieser Strategie. Sie funktioniert grundsätzlich sowohl in Aufwärts- als auch in Abwärtstrends. So verwundert es nicht, dass ausgerechnet in einer der längsten Bärenmärkte der Börsengeschichte, nämlich von 2000 bis 2003, als zahlreiche Anleger mit Aktien viel Geld verloren hatten, Trendfolger unglaublich hohe Gewinne erzielen konnten.

Strategie der Trendfolger

Wird ein solcher Trend erkannt, dann steigt ein Trendfolger am Ende der nächsten Korrekturbewegung in den übergeordneten Trend ein.

Ein idealtypischer Aufwärtstrend mit aufsteigenden Bewegungstiefs und aufsteigenden Bewegungshochs. Trendfolger steigen im Standardfall am Ende einer Korrekturbewegung ein, wenn der Kurs wieder in Trendrichtung dreht.

Eine Stop-Loss-Order wird im Aufwärtstrend meistens unter dem vorherigen Tiefpunkt platziert. In der Abbildung wäre dies unter T1 einer Fall. In der Folge wird der „Stop“ nach Erreichen neuer Bewegungshochs und Korrekturtiefs auf das nächst höhere Tief nachgezogen. Im Abwärtstrend wird die Stop-Loss-Order analog über dem vorletzten Bewegungshoch platziert. Ein Ausstieg erfolgt automatisch mit dem Auslösen der Stop-Loss-Order.

Natürlich lassen sich Trends alternativ auch mit Indikatoren, wie gleitenden Durchschnitten, Ichimoku-Indikator, u.a. identifizieren und zum Ein- und Ausstieg nutzen. Hier hat jeder technisch orientierte Marktteilnehmer im Detail etwas andere Vorlieben.

Im Jahr 2020 gab es zahlreiche Trends, hier einige Beispiele:

  • Nasdaq 100 von April bis August 2020
  • etliche Aktien mit innovativen Geschäftsmodellen von April bis August 2020
  • Bitcoin und Ethereum von April bis Dezember 2020
  • Gold und Silber von April bis Juli 2020
  • Abwärtstrend US-Dollar (z.B. USD/CHF von Mai bis August und Oktober bis Dezember 2020)

Trends finden vor allem dann statt, wenn sich etwas Neues anbahnt oder eine Veränderung langsam durchsickert. Ist diese Neuigkeit komplett für alle verfügbar und die Auswirkungen ziemlich klar, dann wird solch ein Ereignis spontan im Markt eingepreist. Beispiele sind Kurssprünge von Aktien bei Gewinnwarnungen eines Unternehmens oder eine überraschende Zinsanhebung.

Herausforderung bei der Trendfolge

Die Herausforderung für die meisten Anleger ist der Versuch ein Investment möglich günstig – am besten in der Nähe eines ausgeprägten Tiefpunktes – zu kaufen, um dann bei einem Kursanstieg dabei zu sein. Vor allem, wer sich eine Weile mit Value-Investing beschäftigt hat, wird immer wieder feststellen, dass ihm Einstiege in bestehende Aufwärtstrends nicht gelingen, weil ihm eine innere Stimme sagt, dass die Aktie nun zu teuer sei.

Der Trendfolger sagt sich hingegen: Teuer kaufen und noch viel teurer verkaufen. Bis heute merke ich ab und an ebenfalls noch diesen blockierenden Glaubenssätze und schaue einem Trend hinterher. Das Schöne ist jedoch, dass man an solchen limitierenden Glaubenssätzen durch Wiederholen von Abläufen arbeiten und sie auflösen kann.

Die Frage ist nun, ob es auch im Jahr 2021 genügend Trends gibt, von denen Trendfolger profitieren können?

Lässt sich die Trendfolge-Stragie auch im unsicheren Börsenjahr 2021 nutzen?

Trends lassen sich naturgemäß nur recht selten prognostizieren, sonst könnten alle Value-Investoren zum initialen Start eines Trends einsteigen, was so einfach dann eben doch nicht ist. Daher schaue ich ganz pragmatisch nach bereits bestehenden Trends oder nehme mir Investments, die auf dem Weg zu einem Auf- oder Abwärtstrend sind (beispielsweise nach dem Ausbruch aus einem Seitwärtskanal) auf meine Watchlist. Am einfachsten ist es in der Tat den Kapitalmarkt nach bestehenden Trends zu durchforsten und auf Korrekturbewegungen im Trend zu warten. Hier einige (wenige) Beispiele von aktuellen mittel- bis langfristigen Trends.

Aufwärtstrends

  • Bitcoin und Ethereum
  • Währungspaar Australischer Dollar / Japanischer Yen
  • Infineon
  • Merck KGAA
  • Zalando
  • Ansys
  • Broadcom
  • Tesla

Abwärtstrends

  • Währungspaar US-Dollar / Schweizer Franken

Natürlich gibt es auch auf kürzerfristigen Zeitebenen Trends, die sich immer mal wieder in den großen Indizes wie DAX, S&P 500 oder Nasdaq 100 auftun. Je mehr man jedoch von Tages- und Wochenchart Richtung Stunden-Chart (H1) oder 15 Minuten-Chart (M15) oder noch niedriger gelangt, desto mehr befindet man sich im Positions- oder Swingtrading.

Trends im D1 oder W1 zu folgen, kommt dem Investieren mit längerer Haltedauer schon recht nahe. Persönlich bin ich am meisten auf der Zeitebene H4 aktiv. Denn im Vier-Stunden-Chart finde ich die für mich richtige Balance zwischen ausreichend vielen Wertpapieren mit Trends, ohne dass dies in hektische Aktivitäten hineinragt. Für das Finetuning oder zum Finden von Stop-Loss-Ordern gehe ich manchmal auf den H1 und M15 hinunter.

Oft verlangt unser Verstand gleichzeitig auch nach einem Grund für einen Trend. Warum steigt ein Aktie, der Goldpreis oder der Bitcoin an? In vielen Fällen wird man – so meine Erfahrung – keine befriedigende Antwort finden, weil stets mehrere Gründe für oder gegen einen Trade zu finden sind. Bei Aktien könnte der Abgleich mit Fundamentaldaten für mehr Stimmigkeit sorgen. Steigen Umsatz, Cashflow und Gewinn über einen gewissen Zeitraum an, so lässt sich leichter nachvollziehen, warum ein Trend vorhanden ist.

Viele Trendfolger beachten mögliche Gründe für Kursbewegungen allerdings nicht, sondern diagnostizieren einen Trend und steigen dort bei passender Gelegenheit (siehe weiter oben) ein. So haben unter anderem bei Tesla Motors oder beim Bitcoin enorme Gewinne (bis hin zur Verzehnfachung des eingesetzten Kapitals) erzielt, weil sie sich nicht lange mit dem „Warum“ aufgehalten haben.

Fazit zur Trendfolge

Insofern, um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, wird die Trendfolge-Strategie auch im Jahr 2021 wieder zahlreiche Gewinnchancen bringen. Einige Beispiele von bestehenden derzeit bestehenden Trends hatte ich weiter oben genannt. Als kleine Inspiration findest du auf der Seite „Trend-Aktien“ eine Übersicht von 30 Aktien, die sich seit mindestens drei Jahren in einem Aufwärtstrend befinden. Oft setzen derartige Dauerläufer ihre Trends noch eine ganze Weil fort.

Starten Sie gut in das Börsenjahr 2021. Gerne begleite ich Sie auch wieder hier mit Texten und Ideen.

Übrigens habe ich über meine Herangehensweise in diesem Podcast mit Andreas Bernstein gesprochen:

Ihr Lars Hattwig

Lars Hattwig
Über Lars Hattwig 5 Artikel
Lars Hattwig ist seit 2005 an der Börse aktiv und erlangte unter anderem aufgrund seiner Kapitaleinkünfte im Jahr 2014 finanzielle Unabhängigkeit. Darüber berichtet er in seinen Büchern, auf seinen Webseiten, YouTube-Kanal und Podcast. In seiner Online-Lernplattform Passiver Geldfluss Academy erfährt man alle notwendigen Grundlagen zum Investieren in Wertpapieren und Depot-Management in Eigenregie. Neben einer passiven Investment-Strategie mit ETF, bevorzugt er bei seiner Aktien-Auswahl einen aktiveren Investmentansatz und kombiniert Fundamental-Analysen mit Trendfolge-Strategien.

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