Was wir Retail Trader lernen sollten: Argumente für ein effizienteres Trading

Der erste Teil dieser kleinen Serie hatte sehr guten Zuspruch. Vielen Dank dafür! Mit So traden Professionals gab es einen unverblümten Einblick in die Finanzszene. Besonders interessant fand ich neben den Einnahmequellen der Broker auch die Thesen von Anton Kreil, die er in seinem Vortrag offenlegte. (allein  70.000 ! Aufrufe in den letzten beiden Wochen) Und auf diesen Thesen liegt der Hauptpunkt dieses Artikels, gefolgt von einem Fazit. Denn „wir“ Retail Trader lernen dabei durchaus einiges von den Professionals.

Kernthesen des Vortrags

  • Das Geschäftsmodell der Retailbroker ist nicht dazu geeignet, dass die Kunden Geld verdienen (im Detail empfiehlt sich der Vortrag aus Mai 2017)
  • Retailbroker müssen ca. 30 – 50 % der Gewinne für die Neukundenaquise aufwenden und ca. 30 – 40 % der Neukunden werden über Introducing Broker geworben
  • ca. 20 -25 % der Kunden trauen sich nicht zu handeln. Sie fressen Ressourcen – Webinare, Seminare etc., tragen aber nicht zum Umsatz bei. Was folgt sind Inaktivitätsgebühren und Kapitalabzug – also muss die Lücke wieder mit enormen Aufwand aufgefüllt werden.
  • Professionelle Händler kennen die bestehenden Interessenkonflikte der Akteure und akzeptieren sie / Retailtrader blenden diese aus und glauben, was man ihnen durch Marketing und “Educating” vorsetzt.
  • Retailtrader haben völlig falsche Vorstellungen von der Arbeitsweise und Arbeitsalltag professioneller Trader in Investmentbanken und Hedgefunds, genährt auch durch die Medien
  • Professionelle Trader, also Händler in IB oder HF, die OPM verwalten, sind durch die Aufsichtsbehörden reguliert. Mit Blick auf den “Autodidakt” Retail Trader: Nur weil man im Garten jeden Tag Fussball spielt, ist man nicht automatisch ein Fussballprofi – ein sehr treffender Vergleich *g*. Es schmücken sich also viele mit einem Begriff, der falsche Vorstellungen weckt. Auch eine Berufserfahrung in der IT, Backoffice oder Marketing bei einer Bank macht den Akteur noch nicht zum Professional Trader…
  • Profis treffen Handelsentscheidungen ca. 80% fundamental und 20% technisch / Retailtrader glauben an Technik…in allen Variationen (Malen nach Zahlen…)
  • Profis handeln Portfolios (Long/Short) mit strikten Risikoziffern und einem Zeitzhorizont von 1- 3 Monaten/ Retailtrader machen Daytrading…möglichst noch Stunden-, Minuten-, Sekundenchart…
  • Profis agieren und antizipieren / Retailtrader reagieren und sorgen so für die nötige Liquidität zum  Ausstieg der Profis/ Retailtrader agieren eventbezogen/ ohne Plan und Strategie – Musterbeispiel Non Farm Payrolls u.a.
  • Profis halten Positionen, da sie hedgen / Retailtrader bekommen gesagt – keine Übernachtpositionen…(kein Plan, mehr Kommissionen für den Broker…)
  • Profis arbeiten strategisch und folgen dem Geld und der Volatilität über mehrere Assetklassen / Retailtrader fahren Schmalspur und “verhungern”, sobald ihre Strategie im Markt nicht mehr funktioniert


und nicht zuletzt

Profis legen Wert auf Kapitalerhalt und Wachstum – Retailtrader dagegen schnelles Geld in kurzer Zeit…

Die Liste ließe sich noch um einiges fortsetzen, würde aber hier den Rahmen etwas sprengen. Ich empfehle daher jedem Interessenten, sich die Vortragsreihen und Interviews unvoreingenommen anzusehen und dann mit seinen eigenen Erfahrungen zu vergleichen…

Wer einmal über die World of Trading oder ähnliche Veranstaltungen gelaufen ist, wird viele der wunden Stellen wiedererkennen und bestätigen.

Was hilft es uns als typische Retailtrader also, dem Rat von Profis zu folgen ?

 

Retail Trader lernen von Professionals

 

Wenn man in den Ring steigt, sollte man die Regeln des Spiels kennen. Um nichts anderes geht es. Es gibt an der Börse keine Kreisklasse, Regionalliga oder Bundesliga – es gibt nur Champions League (ein treffender Vergleich von Oliver Klemm), und dies ab der ersten Sekunde. Wer dort also Erfolg haben möchte, tritt an gegen die Kreil’s dieser Welt.

Intuition an der Börse – Der Ratgeber in uns und wann er scheitert

 

Sind die Kreil’s dieser Welt mit dem, was sie tun erfolgreich ?

Selbstverständlich. Die nachfolgende kleine Galerie sollte ein kleiner Denkanstoss für jeden Leser sein. Es handelt sich um die Handelsergebnisse von Goldman Sachs, entnommen den Jahresberichten 2006 bis 2015. Also vor, während und nach der Finanzkrise.

Werfen Sie einen Blick auf das Verhältnis von positiven und negativen Handelstagen und den durchschnittlichen täglichen Ergebnissen. Wohlgemerkt reines Trading !

Retail Trader lernen
Form 10-K Goldman Sachs 2015
Retail Trader lernen
Form 10-K Goldman Sachs 2014
Retail Trader lernen
Form 10-K Goldman Sachs 2013

Retail Trader lernen also kaum, die Zeitreihe geht so weiter…

Wie sah es in der Krise und davor aus?

Retail Trader lernen
Form 10-K Goldman Sachs 2008
Retail Trader lernen
Form 10-K Goldman Sachs 2007
Retail Trader lernen
Form 10-K Goldman Sachs 2006

 

 

Was kann man nun für das Thema Social Trading und Coaching entnehmen?

Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns im dritten Teil, nachdem wir hier gelesen haben, was Retail Trader von den Pro’s annehmen sollten. Übrigens: Hier auf Trading-Treff wurde ein ausgeglichenes CFD Trading Portfolio bereits vorgestellt.

 

Bleiben Sie gespannt und Happy Trading,

Ihr Michael Tomaschek

Über Michael Tomaschek 21 Artikel
Michael Tomaschek ist seit 1998 an der Börse aktiv. Ab 2005 mit CFD's und seit 2007 als Forex- und Future-Trader. Neben einer beruflichen Tätigkeit handelt er hauptsächlich mit Devisen und Indextrading per CFD und veröffentlicht seine Erfahrungen im Blog Trading-der-Besten.
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